Sr. Paulo
Meister Paulo in seiner Werkstatt

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Alte Meisterwerke

23. Februar 2006

Senhor Paulo restauriert Möbel mit Können und Hingabe

Die Werkstattfenster gehen auf Madeiras Küste und das blaue Meer hinaus. Ein faszinierender Ausblick. Doch das Augenmerk des Schreiners gilt ausschliesslich dem jeweiligen Möbelstück, das er in Arbeit hat. Alte Schreibtische, Holzbetten, Stühle oder Kommoden werden in der Holzwerkstatt abgegeben und dort fachmännisch „aufpoliert“.

Das Handwerk des Zimmermanns und Schreiners hat er früh gelernt. Schon mit zwölf Jahren begleitete der junge Paulo einen erfahrenen Zimmermann auf Baustellen, um vor Ort Fenster und Türen zu zimmern. Damals hatten Zimmerleute keine eigene Werkstatt, sonden eine kleine Werkbank und eine Tasche voller Werkzeug. Damit legten sie an Ort und Stelle los. Strom brauchten sie nicht. 1963 verliess Paulo Madeira. Der damals 21jährige Mann absolvierte auf den Azoren eine Ausbildung zum “Fliegenden Polizisten”. In der portugiesischen Kolonie Angola „flog“ er dann Streife. 1966 kam er zurück. Damals war Madeira das Armenhaus Portugals, und Paulo musste schon drei Jahre später wieder ins Ausland gehen, um für seinen Lebensunterhalt zu sorgen. Diesmal zog es ihn nach Carracas, der Hauptstadt Venezuelas, wo er in seinem gelernten Beruf arbeiten konnte. Meister Paulo verdiente sein Geld als Innenausstatter von Bars und Restaurants. Unter anderem fertigte er Gefrierschränke aus Holz an. Nach der portugiesischen Nelkenrevolution von 1974 erlebte Madeira einen Auschwung. Und so kehrte der Zimmermann in seine Heimat zurück und gründete eine eigene prosperierende Werkstatt. Heute, mit 64 Jahren, geht dem Meister die klassische Arbeit aus. Fenster und Türen auf Madeira sind heutzutage aus Aluminium gefertigt. Darum besinnt sich der alte Meister auf die Tugend, die er in jungen Jahren lernte: Die filigrane Handarbeit. Und so repariert Meister Paulo mit Sorgfalt und Sachverstand aufgesprungenes Holz, macht Schubläden gängig, die wegen feuchter Abstellräume aufgequollen sind, arbeitet mit Holzmeissel Verzierungen aus und freut sich, wenn die Kunden zufrieden sind. Wenige Stücke stehen auch zum Verkauf in der Werkstatt oberhalb von Ponta do Sol – nach deutschen Masstäben zu äusserst räsonablen Preisen. Und noch etwas: Es braucht nur einige Fantasie, dann nimmt man den Pumuckl in der Holzwerkstatt wahr, wie er über Möbel balanciert und mit dem Meister palavert. Doch sobald man genauer hinblickt, steht Meister Paulo allein an seinen Möbeln.

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