Rubina
Die Tierärztin besucht ihre Patienten im Stall

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Meister Lampe wird geimpft

12. Februar 2006

Dr. Rubina und ihre Patienten

Der Impfstoff kommt aus der Pistole. Zweimal schießt die Tierärztin in die Löffelhaut. Heftiges Gestrampel und dann: Der Nächste bitte! „Nach den Kaninchen fahren wir zu einer Kuh, die nicht mehr aufstehen will.“ Ob vorbeugende Impfung, Untersuchung erkrankter Tiere oder Geburtshilfe: Anruf genügt und die junge Tierärztin komm zum Hausbesuch, der meistens ein Stallbesuch ist.Madeiras Verwaltung hat in allen Regionen der Insel einen mobilen veterinären Dienst eingerichtet. „Ich behandle alle hier in der Gegend“, sagt die 27jährige Rubina. „Hunde, Ziegen, Schweine, Kühe ...“ Die Bauern, die die Tierärztin rufen, zahlen nur einen Bruchteil der Behandlungskosten. 84 Cent kostet die Impfung pro Kaninchen, den Rest begleicht die öffentliche Hand. – Dr. Rubina ist Tierfreundin. Bei ihrer Arbeit spielt sie mit kleinen Katzen und streichelt Hunde liebevoll. Als Madeirenserin leidet sie darunter, daß ihre Landsleute die Haustiere meistenteils unter miserablen Bedingungen halten. „Die Leute sind sehr arm und wissen wenig über Tierhaltung. Für sie haben Tiere keinen Wert und deshalb behandeln sie sie schlecht.“ Die alte Bäuerin Augusta kommt dazu. „In der Kirche lernen wir, Tiere haben keine Seele. Darum kann man mit ihnen machen, was man will. Das ist nicht weiter schlimm.“ Gegen die Folgen solcher Freibriefe muß die junge Veterinärin ankämpfen, wenn sie Ställe betritt, die nicht ausgemistet werden, verdorbenes Essen und fauliges Wasser vorfindet, gar Kaninchen, die aufgrund der Verwahrlosung nachts von Ratten angefressen wurden. “Es ist manchmal grauslig. Ich schimpfe mit den Bauern, halte Standpauken und hoffe, daß sie endlich anfangen, ihre Tiere pfleglich zu behandeln.“ Rubina hat bei diesen Worten einen herben Zug um den Mund und es dauert ein paar Sekunden, bis ihre Augen wieder freundlich lächeln. Die Kaninchen, die sie gerade geimpft hat, sind gut gepflegt, besitzen einen großen Stall und haben sogar täglich Auslauf auf einer Grünfläche. Darüber freuen sich alle – die Tiere und mit ihnen Dr. Rubina, ihre Ärztin.

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