patrao alto mar
Rafael auf seinem Boot im Hafen von Calheta

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Seebär Rafael

29. Dezember 2005

Deutschsprechender Kapitän volle Kraft voraus!

„Als Insulaner hat man das Gefühl: das Meer sperrt uns ein. Aber es gibt eine Tür in die Welt hinaus, die man öffnen muss.“ So lautet die persönliche Philospohie von Rafael Gomes (45), der täglich seine Fahrgäste in die Welt des Meers entführt.

Die lebhaften Begegnungen mit Walen und Delfinen haben den Horizont des Madeirensers erweitert, wie auch seine Lebensjahre im fernen Köln, woher sein leicht rheinischer Akzent stammt. Auf der Heimatinsel Madeira arbeitete Rafael schon mit siebzehn Jahren als Lehrer für Werken an einer staatlichen Schule. Das war kurz nach der portugiesischen Nelkenrevolution von 1974, die die allgemeine Schulpflicht brachte, ohne dass genügend Lehrer zur Verfügung standen. In Deutschland wurde Rafael später zum Maschinenschlosser ausgebildet. Und zurück in Madeira entdeckte er den Zauber der Fischerei. „Wenn ein Fischer allein zwischen Himmel und Meer steht, ist er Herrscher in den Fluten – in völliger Freiheit.“ Solche Schwärmerei erwachte in dem jungen Mann, wenn er nachts mit den Fischern von Camara de Lobos hinausfuhr. „Obwohl diese Menschen meist Analphabeten waren, so schätzte ich bald ihren Riesenschatz an Wissen.“ Allein die Fähigkeit der einfachen Männer, sich über den Spannungsbogen zwischen ruhiger und rauer See haargenau zu verständigen, faszinierte Rafael. Dann rettete er die „Ribeira Brava“ – ein traditionelles Fischerboot – vor dem Verschrotten. Drei Jahre lang erneuerte der gelernte Handwerker Teil um Teil. Blosse Sachkosten: 130.000,- EURO. „Das Schwierigste waren die Segel. Ich musste nach Kontinental-Portugal rüber. Dort gab es noch einen traditionellen Segelmacherbetrieb. Ich habe den Stoff aus Deutschland importiert. Und die Segelmacher haben mir dann zwei grosse Trapez-Segel genäht, eins für gutes Wetter und eins für Sturm.“ Die heutigen Fischer, wenn sie vierzig oder fünzig Jahre alt sind, können nicht mehr segeln. Rafael hat einen fitten Rentner gefunden, der ihm das Fahren unter dem traditionellen Trapez-Segel beibrachte und ihn auch heute noch begleitet. Inzwischen steckt der Hochseeschein in der Tasche des Kapitäns. Er befährt das Meer von Ponta do Pargo bis Funchal und ist dabei mit jeder Welle und fast jedem Wal per Du. Sein Blick für die Aufenthaltsorte der Seetiere ist scharf. „Man braucht nur lange die Meeresoberfläche zu beobachten. Dann weiss man, wo sich sich aufhalten.“ Und dann steuert Seebär Rafael die „Ribeira Brava“ an die Orte, wo Delfine fressen und Wale sich tummeln. „Wir können da manchmal ganz nah ranfahren. Wenn die Tiere aber wegschwimmen, drehen wir auch ab. Im Gegensatz zu anderen jagen wir sie nicht.“

Weitere Informationen über Fahrten mit der Ribeira Brava finden Sie unter http://www.lobosonda.com

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