Süßkartoffeln mit Camembert
Süßkartoffeln mit Camembert

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Süßkartoffeln mit Camembert

12. November 2005

Eine Bereicherung für die Küche Madeiras

Eine typische Madeirenserin ist Dona Otilia nicht. Zumindest was ihre Vorliebe beim Essen angeht. Während ihre Landsleute ausgesprochen deftig und kräftig zulangen, bringt die Hobbyköchin traditionelle Speisen mit unkonventionellen Geschmacksnoten zusammen.Süßkartoffeln gehören seit je auf den madeirensischen Speiseplan. Sie sind nahrhaft und leicht anzubauen. Man braucht lediglich einen Acker mit dem Grünzeug abgeernteter Süßkartoffelfelder zu bepflanzen. Ein Jahr später wird dann die köstliche Knolle geerntet. Die Landarbeiter ernährten sich immer gern von der Süßkartoffel. Sie gibt Kraft für die harte Arbeit in der Sonne. Wer sie nicht selber anbaute, konnte sie billig beim Händler erstehen. Die Batata Preta ist schnittfest. Die Batata Branca passt gut in den Schweinefleisch-Eintopf, da sie wenig Eigengeschmack entwickelt. Die Batata Inglesa schmeckt mild-süß. Heute ist die Süßkartoffel ein teures Lebensmittel. Besonders die Batata Cenoura (die Karottenkartoffel) kostet viel Geld, drei Euro das Kilogramm oder mehr. Die Batata Cenoura ist eine aus Südafrika stammende Züchtung. Das Fruchtfleisch hat die Farbe einer Karotte und tatsächlich erinnert der Geschmack dieser Kartoffel ein wenig an Möhren. Die Süßkartoffeln werden gebürstet und gewaschen und dann vierzig bis sechzig Minuten im Backofen bei grosser Hitze gegart. Die Schale kann mitgegessen werden. Eine Feinschmeckerin wie Dona Otilia serviert die fertigen Erdfrüchte mit Pfeffer und Salz und – einem würzigen Camembert aus der Bretagne oder der Normandie. Der kräftige Geschmack beider Lebensmittel wird durch einen gehaltvollen Rotwein unterstrichen. (Die günstigste Version eines solchen Weines ist der Porta da Ravessa aus dem Supermarkt.) In madeirensischen Restaurants wird man vergebens nach diesem Gericht Ausschau halten. Die Madeirenser sind durch die Bank Käseverächter und können sich eine Kombination von Süßkartoffeln mit Cambembert gar nicht vorstellen. Hier gilt einmal mehr: Die beste madeirensische Küche ist die eigene im Ferienhaus. Wer sich selbst mit solcher Leckerei bekocht, denen wünscht Urheberin Otilia schöne Ferien und „bom apetite!“.

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