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Schildbürgerstreiche

2. November 2005

In Madeira die gängige Art, das Leben zu meistern...

....meint unser Autor Julian Röwekamp. Er schrieb den Artikel mit einem lachenden und einem weinenden Auge. Und man fragt sich: Satire? Oder ist es ihm ernst?Der neue Jachthafen in Lugar de Baixo war von der ersten rauhen See überrollt und übel zugerichtet worden (siehe madeira-zeitung/ Rubrik "Es tut sich was"). "Wer ist schuld an dem Unheil?" donnerte der Regierungspräsident und stellte drei mögliche Schuldige an den Pranger: Planer, ausführende Ingenieure oder das Meer selbst. Es wurde eine wahrhaft unabhängige Firma in den Niederlanden beauftragt, die Schuldfrage zu klären. Das Ergebnis der Holländer war eindeutig: "Die Schuld an der Zerstörung der Marina trägt das Meer." Erbost reagierten die Autoritäten Madeiras. Sie drohten dem Meer mit Fäusten. Einige schleppten Eimer an den Strand, das Meer abzuschöpfen und trockenzulegen. Andere trachteten, das Meer vor Gericht zu zerren. Noch größer wurde ihr Zorn, als ihnen die Fluten frech zwischen den Fingern zerrannen. - Trockene Tunnel verhießen Madeiras Ingenieure den Autofahreren auf der Autobahn zwischen Funchal und Ribeira Brava. Man verlachte die Tropfhöhlen der Vergangenheit, durch deren handgeschlagenes Deckengestein permanent Wasser sickert. Also ließen die Ingenieure die Decken der neuen turbinengebohrten Tunnel betonversiegeln. Und Trockenheit herrschte fortan. Bis eines Tages der Beton sich verfärbte - schmierig gelb mit weißen Rändern. An vielen Stellen. Gleichzeitig. Die Decken der Tunnel wurden brüchig. Mancherorts drohten sie einzustürzen. "Das Wasser im Erdreich über der Tunneldecke zerfrißt den Beton," riefen die Ingenieure ungläubig. In aufwändiger Reperaturarbeit wurde nachträglich eine Drainage eingezogen. Kostenpunkt: 3 Millionen EUR. Doch die Madeirenser mußten diesmal nicht das Wasser zum Schuldigen erklären lassen. Zum Glück gibt es die EU, und Brüssel subventioniert freigiebig die unterentwickelten Zonen Europas. Zur Stärkung ihrer Infrastruktur. Oder sollte es besser heißen: zur Stärkung maroder Deckenkonstruktionen?

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