Wellenbrecher von Ponta do Sol
Grosse Betonklötze halten die hohen Wellen fern

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Nicht schön, aber zweckmässig

11. Juli 2005

Die zwei Strände von Ponta do Sol

Zu Beginn der Sommerbadesaison sind endlich die Bauarbeiten am Strand des malerischen Örtchens an der Südwestküste abgeschlossen. Besonders für Kinder und unsichere Schwimmer ist das eingefriedete Becken zum Baden geeignet. Wer echtes Meer mit Wellen sucht, findet einen Rest ursprünglichen Strandes mit schwarzem Sand am Ende der Bucht von Ponta do Sol.Lange Monate standen Kräne, Bagger und Betonmischer am Strand. Das vis-à-vis gelegene Vier-Sterne-Hotel konnte nur durch eine Preisermäßigung von 50 Prozent Feriengäste ködern. Inzwischen sind die Baufahrzeuge fort, geblieben ist reichlich Beton. Riesige Wellenbrecher türmen sich zu einem langen Wall gegen die Flut auf. Leider ist dieser Wall nur auf den ersten Metern mit Natursteinen verkleidet. Die restlichen 70 Meter präsentieren in Beton gegossene Ungetüme, denen man am Strand auf grau plattiertem Untergrund eine grau gehaltene Strandbar mit grauen Jalousien zugesellt hat. Die Farbe der Jalousien sticht deshalb ins Auge, weil diese trotz Beginns der Badezeit fest verschlossen bleiben. Das Rathaus vermochte für diesen Sommer keinen Pachtvertrag abzuschließen. Da der Bürgermeister seit Monaten wegen Korruptionsverdachts in U-Haft sitzt, ist die Unterschriftsberechtigung kaum geregelt. Neun weitere Angeklagte aus der Verwaltung sind anscheinend hauptberuflich damit beschäftigt, Spuren vor der Kriminalpolizei zu verwischen. So wird denn die Strandbar wohl erst im kommenden Jahr einen Pächter finden, sofern das Rathaus von Ponta do Sol dann wieder ordentlich arbeiten kann. Zweckmäßig ist der Betonwall nicht nur für ungeübte Schwimmer. Im Winter hat in der Vergangenheit immer wieder starke Brandung Schlamm und Geröll auf die Uferpromenade gespült. Damit ist es nun vorbei. Und unerwartet sauber ist das Wasser auch. Wer am Betonwall ein paar Meter zum Grund hin taucht, freut sich über glitzernde, farbenprächtige Meeresbewohner. Der kleine Reststrand am Rande der Badebucht wird weiterhin gern genutzt – häufig von Familien mit Kindern, die Spaß daran haben, in die Wellen hineinzurennen und mit dem schwarzen Sand Burgen zu bauen. Am Naturstrand ist der Blick auf die weite See unverstellt. Man sieht den Horizont, wo Meer und Himmel zusammenwachsen. Wer einmal in Holland, Belgien oder Frankreich Urlaub am Meer gemacht hat, schaut sich vergeblich nach Eis-, Crêpe- oder Fleischspieß-Buden um, die über und über mit flatternden kleinen bunten Wimpeln besetzt wären. Solche Buden könnten das eintönige Grau auflockern, mit Farben und Gerüchen Akzente setzen. Doch die madeirensische Verwaltung hat die belebende Kraft der Vielfalt und des Bunten noch nicht entdecken können. Fliegende Händler, Zelte oder Stände erhalten in Ponta do Sol keine Lizenz. Das könnte sich im Oktober ändern, falls bei der Kommunalwahl frischer Wind ins Rathaus einzieht. Der sozialistische Kandidat für das Bürgermeisteramt will vieles besser machen und hat laut Umfragen große Chancen, die in unzählige Korruptionsfälle verstrickte derzeitige Regierungsriege abzulösen.

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