Tangente Quinta Magnólia
Mitten durch den alten Baumbestand verläuft die Umgehungsstrasse

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Raubbau an der Quinta Magnólia

15. April 2005

Einzigartiger Sport- und Erholungspark Funchals wird durch Umgehungsstraße zusammengestutzt

Früher schaute man von Tenniscourt Nummer 3 auf den Golfabschlag-Übungsplatz. Dahinter erhoben sich grüne Hügel. Nun steht ein Betonmonster im Weg. Der Golfübungsplatz konnte nicht überleben. Kann es die Quinta Magnólia?Ursprünglich lag der British Country Club am Rande der Hauptstadt. Als die Briten in den 80ern ihre exklusive Cubanlage den Madeirensern übergaben, wurde die Quinta Magnólia, wie der Ort fortan hieß, zum Volkspark. Bei freiem Eintritt kann man seitdem unter alten Bäumen lustwandeln, sich für wenig Geld in die Fluten eines Merrwasserschwimmbeckens stürzen oder beherzt das Tennisracket schwingen. Heute hat die rasant wachsende Inselhauptstadt den Sport- und Erholungspark eingekesselt. Die Quinta Magnólia ist dabei zur grünen Lunge geworden inmitten des tosenden Verkehrs und der unzähligen Großbaustellen. Gestreßte Zeitgenossen – Madeirenser wie auch Feriengäste – finden dort Ruhe und Beschaulichkeit, in der internationalen Bibliothek einen Hauch von Kultur und auf dem Trimm-Dich-Pfad einen gelenkefreundlichen Untergrund mit umbauter Sauerstoffbrause. Die Tangente, die künftig einen Teil der Quinta Magnólia beherrscht, zieht einen deutlichen Schlußstrich. Die Erholungsanlage wurde zugunsten eines Kreisverkehrs spürbar verkleinert, die enorme Brücke und der flutende Verkehr werden Lärm, Gestank und Unruhe in den Park bringen. „Die Umgehungsstraße ist gut für die Autos“, lautet dessen ungeachtet die Antwort der meisten Madeirenser. Sie nehmen billigend in Kauf, daß eine preiswerte Sport- und Spielanlage zusammengestutzt wird, damit der Verkehr rascher fließen kann. Sowohl die verantwortlichen Politiker als auch ein Großteil des Wahlvolks bewerten Lebensqualität vornehmlich aus der Perspektive des Autofahrers. Ob das gut für die Menschen ist, steht in Madeira leider nicht zur Disposition. Dies ist fatal, gehören die Portugiesen doch zu den europäischen Spitzenreitern bei Herzinfarkt-, Schlaganfall- und Osteoperose-Häufigkeit. Sport wird von gesundheitsaufklärerischer Seite dringend angeraten. Doch von Seiten der Inselregierung und Stadtverwaltung wird die zentral gelegenen Quinta Magnólia mit ihren Sport- und Erholungsangeboten wenig geschätzt. Die sanitären Anlagen und Duschkabinen verkommen auf skandalöse Weise. Das Dienstpersonal ist wegen nicht oder zu spät oder nur halbherzig erfolgter Renovierungsarbeiten völlig demotiviert. Die Bar am Swimming Pool hat geschlossen. Mit der Ankündigung der Stadtverwaltung, an der Peripherie Funchals ein neues Tenniscamp zu bauen, drängt sich die Vermutung auf, daß die politischen und wirtschaftlichen Entscheidungsträger Madeiras die Anlage zu opfern bereit sind zugunsten profitabler Neubauten auf dem Territorium des Volksparks. Ist das Ende der Quinta Magnólia schon längst beschlossene Sache?

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