Bio-logos
Rui Vieira (52) und Filomena Pacheco (45) von Bio-logos

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Gesund leben

28. März 2005

Gut sortierter Bio-Laden in Funchal

Vier Madeirenser glauben an die Macht natürlicher Produkte. Sie sind mit „Bio-logos“ seit vierzehn Jahren erfolgreich und werden zum Herbst 2005 über ihrem Laden ein vegetarisches Restaurant eröffnen.Sehr viele Waren stammen aus Deutschland. Der Bio-Wein kommt aus Frankreich. Die Aloe-Vera-Creme jedoch ist ein Heimprodukt. Das liegt nahe und überrascht dennoch. Denn Portugal steckt, was gesunde Ernährung und Lebensweise angeht, immer noch in den Kinderschuhen. In Produktion und Konsum. Und trotzdem lebt der Bio-Laden „Bio-logos“ hauptsächlich von madeirensischer Kundschaft. Vielleicht liegt das daran, daß sehr viele Urlauber gar nicht wissen, daß es in der Inselhauptstadt einen Bio-Laden gibt. Anders bei den Zugereisten: in deren Lebensmitteleinkauf ist „Bio-logos“ fest verankert. Nicht selten steht ein ratsuchender Ausländer an der Ladentheke – inmitten madeirensischer Ratsuchender - und fragt den Experten der „Bio-logos“-Truppe, Rui Vieira, nach Gesundheitstipps. Rui kennt sich gut aus. Er hat die Bio-Szene von der Pique auf studiert. 1972 zog der Jüngling von Madeira nach Amsterdam und erlebte dort die makrobiologische Welle. Auf Bio-Bauernhöfen lernte Rui Tiere als Partner schätzen, in der biologischen Küche schmeckte er den Unterschied zwischen konventioneller und biologischer Ernährung, in einer niederländischen Bio-Stiftung studierte der Madeirenser Organisation und Logistik der Bio-Produkte. Er lernte Vollkornbrot backen und Bio-Apfelmus kochen. Und in einer säkularisierten Kirche Amsterdams begann er zu meditieren und den Klängen der Sitar Ravi Shankars zu lauschen. Indische Musik und religiöse Vielfalt zogen Rui in das Land am Ganges. 1979 und 1980 lebte er für sechs Monate unter Indern – einfach und demütig. Einer expliziten religiösen Bewegung hat sich Rui damals wie heute nicht angeschlossen. Seine Philosophie ist einfach und klar. Sie proklamiert Respekt vor Natur und Tieren. Seit fünfzehn Jahren lebt der Madeirenser als Vegetarier. Das ist außergewöhnlich auf einer Insel deren kulinarische Spezialität die „Espetadas“ sind – gegrillte Fleischspiesse von enormen Ausmassen. Er hält den Egoismus der Neuzeit für einen kapitalistischen Irrtum und glaubt, daß die Produkte seines Ladens nicht entscheiden über das Wohlergehen des Erdballes. „Es kommt nicht darauf an, daß ich klare Augen habe und eine gesunde Haut, wenn ich morgens aufstehe. Dafür kann ich wohl sorgen, wenn ich gesunde Nahrung zu mir nehme oder mich gesund ernähre. Aber ob unsere Welt überleben wird, daß entscheidet sich in hundert oder mehr Jahren. Wenn wir alle schon tot sind – egal ob wir gesunde Haut hatten oder nicht. Es kommt darauf an, das Große zu erkennen, das Überindividuelle und dafür zu leben.“ Wahrscheinlich ist es die übermächtige Natur, an die Rui Vieira glaubt und für die er von den Menschen Respekt verlangt. Und kleine Dosen dieser Natur verkauft er mit drei anderen Bio-Kaufleuten seit 1991 bei Bio-logos. Der Laden ist im übrigen leicht zu finden. Man suche im Stadtgarten von Funchal das Amphitheater, lasse das Parkcafé mit dem grünen Pavillon links liegen und steige an der kleinen Straßenkreuzung rechts hoch. So erreicht man nach dreißig Metern den Bio-Laden und bald auch das dazugehörige vegetarische Restaurant.

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