Altenpflegeheim in Machico
Auf der Ostseite des Tales von Machico liegt das Altenpflegeheim

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Altenheime auf Madeira

12. Dezember 2004

Pflegeteam in Machico mit Kraft und Liebe

Da sitzen sie in einem Werkraum und pinseln, sägen, schneiden und kleben. Ein Dutzend alter Menschen mit einem jungen Animateur, der Einiges zu bieten hat: Handwerkliches Geschick und praktikable Ideen, altentherapeutische Erfahrung, Humor und Zärtlichkeit für Menschen, die ein Leben lang geschuftet haben. Und die ihre Hände noch nicht in den Schoss legen wollen - solange sie können. Sie basteln, brennen Ton und weben Flickenteppiche. Zweimal pro Woche gar verstärkt durch die Kleinen vom Kindergarten im Hause. Es ist die Creme des Altenheims, die noch zu werkeln vermag, kaum mehr als fünfzehn Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner. Der andere, weitaus größere Teil benötigt intensive Pflege. Und die gibt es hier auf neuestem Stand der Pflegewissenschaften. Der Besucher aus Deutschland reibt sich verwundert die Augen und fegt die letzten Vorurteile verschämt aus seinen Gedanken.Madeiras Gesellschaft ist in Bewegung. Die Jungen bleiben nicht mehr wie früher bei Eltern oder Großeltern wohnen. Sie ziehen - sobald wie möglich - aus der häuslichen Enge aus. Da viele madeirensische Familien aus deutscher Sicht noch immer kinderreich sind, könnten sich die Kinder die Versorgung der Alten, sofern diese nicht mehr selbst für sich zu sorgen vermögen, zwar untereinander aufteilen. Aber auch auf Madeira werden die Menschen immer älter. Und auch hier werden viele alte Menschen zu Schwerstpflegefällen. Da bedarf es professioneller Rundumversorgung. Solch eine Versorgung garantieren die in den letzten Jahren überall auf Madeira entstandenen neuen Altenpflegeheime. Sicherlich eins der besten dieser Heime ist das von Machico. Im Dezember 2000 ging die Santa Casa da Misericôrdia de Machico im Geiste der katholischen Soziallehre an den Start. Hundert Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen betreuen siebzig Bewohner, die alle in Doppelzimmern untergebracht sind. Dazu gesellen sich derzeit vier Besucherinnen des Tageszentrums. Ärzte, Krankenschwestern, Therapeuten, Animateure, Köchinnen, die Friseuse, der Herr Pfarrer und natürlich Hilfs- und Reinigungskräfte, Wäscherinnen und Büroangestellte – ein Heer von Mitarbeitern bemüht sich um die Pflege der meist gebrechlichen Heimbewohner. „Das Durchschnittsalter beträgt 81 Jahre. Die große Mehrheit (85%) bedarf unserer Hilfe beim Essen, Trinken, bei der täglichen Hygiene und anderer Dinge“, sagt der Direktor der hauseigenen Klinik, Dr. Miguel Homem Costa. Ein Heimplatz kostet durchschnittlich 1845 Euro monatlich. Dafür reicht die kleine Rente der meisten Heimbewohner nicht. Den Fehlbetrag zahlt die portugiesische Sozialkasse. Dreissig Bewohnerinnen und Bewohner können immerhin 1100 Euro für ihre Unterbringung aufbringen. Für diesen Personenkreis erhält das Heim von der Autonomen Region Madeira einen kleinen Prokopfzuschuß. Heimbewohner auf Madeira müssen Land- oder Hausbesitz in der Regel nicht veräussern, um die Pflegekosten begleichen zu können. Das portugiesische Gesetz verpflichtet hingegen die Einrichtung, fehlendes Geld selbst zu erwirtschaften. Die vom Pflegeheim beschäftigten beiden Ärzte halten demzufolge nachmittags Sprechstunden für auswärtige Patienten ab. Physiotherapeuten nutzen am Nachmittag die gut ausgestatteten Rehabilitationsräume des Hauses für auswärtige Kundschaft. Die hauseigene Küche beliefert drei Schulkantinen, und Produkte aus der Altenwerkstatt werden auf Basaren verkauft. Und dann gibt es auch noch einige grosszügige Förderer, die Geld für den Betrieb der Santa Casa erübrigen. Angesichts der stöhnenden und schreienden, zusammengefallenen Schwerstpflegefälle im Tagesbereich des Hauses fragt sich ein fremder Besucher, woher die Pflegekräfte die Kraft zum Lächeln und Freundlichsein nehmen. „Unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bringen eine sehr gute Ausbildung für diese Arbeit mit“, bekundet Nuno Patricio, der Direktor der Einrichtung, stolz. Aber darüberhinaus bringen die zumeist weiblichen Mitarbeiter Idealismus und Menschenliebe mit. Viele von ihnen sind zudem charmant und schön. Eigenschaften, für die die Frauen aus Machico auf der Insel berühmt sind. Leider können die „alten Herren“ im Heim das Privileg, von solch anmutigen Schönheiten gepflegt zu werden, nicht mehr recht genießen. Zu weit sind sie schon von vitalen Dingen entfernt. Doch die Wärme ihrer Betreuerinnen spüren sie gewiß. Das Pflegeheim von Machico ist für seine gute Atmosphäre ebenso bekannt wie für seine professionelle Pflege auf neuestem Stand. Auf der Warteliste stehen vierzig Personen. Für die ärmeren Bewohnerinnen und Bewohner braucht das Heim immer gut erhaltene Kleidung, natürlich auch zu Weihnachten. Auch die deutschsprachigen Residenten Madeiras bringen gelegentlich ausrangierte Kleidungsstücke nach Machico. Das Heim ist leicht zu finden, es liegt unübersehbar am Osthang des Tals.

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