Nicht schlecht, Herr Specht!

1. August 2004

Vögel können sich freuen: Lagune in Lugar de Baixo blieb erhalten

Erst wollte die Inselverwaltung die Lagune am Strand von Lugar de Baixo platt machen. Nach Protesten kam die überraschende Wende. Ein Zentrum für Öko-Tourismus entstand.Der Strand von Lugar de Baixo, einem Ortsteil von Ponta do Sol, sollte proper werden. Der Schilf bewachsene kleine See hinterm Meer störte das neue Konzept erheblich. Kurzerhand verfügten die Planer das Ende der Lagune. Die parlamentarische Opposition maulte. „Der grösste echte See Madeiras darf nicht verloren gehen“, forderten die Sozialisten heimatverbunden. Die Umweltschützer griffen von ausserhalb des Parlaments an. „Die Regierung Madeiras beraubt seltene Vögel ihres Nist- und Schutzraums an der Südwestküste!“ Normalerweise scherzt die Regierung über solch ein Argument. Diesmal aber ernannte sich der Regierungspräsident urplötzlich selbst zum Umweltschützer Nr. 1 der Insel und präsentierte der überraschten Öffentlichkeit den Plan eines Zentrums für Ökotourismus. Das Werk überrascht einige Monate nach seiner Fertigstellung immer noch. Denn die Lagune, mit Felsen vor dem Meer geschützt, ist in bedeutendem Masse naturbelassen. Wasservögel finden dort Ruhe und Nahrung. Man kann sich auf kleinen Pfaden dem See vorsichtig nähern oder auch am Meer entlang gehen, ohne auf eben den Beton zu stossen, der andere Stellen der Insel verunstaltet. Unweit der Lagune ist ein Haus entstanden. Stilvoll in der Architektur, viel Glas unter Verwendung von Holzmaterial; geschwungene Formen anstelle der spitz-aggressiven Architektur, die im iberischen Raum die Oberhand hat. "Centro de observacao da natureza" (Zentrum für Naturbeobachtung) steht am Eingang zu lesen und "Ecoturismo". Was der Ökotourist allerdings verwundert fragt: Warum ist das Gebäude am Strand von Lugar de Baixo, in dem grosse Schautafeln hängen, stets verschlossen? Nur Schulklassen haben Zutritt. Nicht aber die von weit her Gereisten, die sich über die Ambitionen Madeiras im Umweltschutz gern ein Bild verschafften. So ist das Zentrum für Ökotourismus eine merkwürdige Erscheinung. Die gefiederten Bewohner des Sees sind’s zufrieden, die Menschen drücken sich an den Scheiben des Gebäudes die Nase platt. Zum Glück hat die Kneipe nebenan auf. Zum Bier werden dort in guter alter Tradition gebratene Schweineöhrchen gereicht.

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