Haus in Estreito
Ein schöner Platz fürs Traumhaus?

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Erste Schritte in Richtung Traumhaus

3. Juli 2004

Durch genaues Hinsehen und beharrliches Nachfragen schmerzliche Fehltritte vermeiden

Unter einer hoch aufgeschossenen Palme dämmert ein altes Haus einsam im Glanz der Nachmittagssonne. Auf den angrenzenden Wiesen weiden Ziegen und Kühe. Ganz in der Nähe bauen freundliche Nachbarn Gemüse, Wein, Bananen oder Zuckerrohr an. Levada-Wasser sprudelt eine Rinne hinab. Im Hinterland steigen grüne Hänge zum blauen Himmel empor. Unterhalb der Steilküste wogt der gewaltige Ozean mit weissen Schaumkronen. Umrisse eines majestätischen Kreuzfahrtschiffes mit Kurs auf Madeira zeichnen sich in weiter Ferne ab. An solch einem Fleck zu wohnen, wäre wohl für jeden gestressten Bewohner des Ballungsraums Deutschland ein Traum.Die Idylle ist wahrlich betörend. So betörend, dass der von ländlicher Romantik inspirierte Kaufwillige nicht die Markierungen auf der Kuhweide wahrnimmt. Zwei Jahre später werden hier Lastwagen und PKWs auf der neuen Schnellstrasse herdonnern, deren Bau längst beschlossene Sache ist. „Hätte ich das geahnt!“, rauft sich mancher Hauskäufer nachträglich die Haare. Natürlich kann man nicht alle Entwicklungen vorhersehen. Zum Beispiel nicht die von Jardim do Mar, wo zwei bezaubernde Zugänge durch eine Strandpromenade mit meterhoher Wand zum Meer hin vernichtet wurden. Wer dort vor langer Zeit investiert hat, den verwöhnten über Jahre der Anblick und das Rauschen der Brandung. Heute stiert man entgeistert auf eine graue Betonwand. Umweltverschandelnde Grossprojekte haben derzeit Konjunktur auf Madeira. Das Geld dafür kommt von der EU-Bürokratie in Brüssel. Doch ab 2006 fliessen die Subventionen in eine andere Richtung. Die neuen osteuropäischen Mitgliedsländer melden bereits Bedarf an und werden mit extrem unterentwickelten Regionen der Insel Madeira den Rang ablaufen. Es wird auf der Atlantikinsel also nur noch das gebaut, was lange schon beantragt und gebilligt ist. Das ist gut so und hält die Vernichtung von natürlichem oder naturnahem Lebensraum in Grenzen. Wie aber erfährt ein Fremder, der von Madeira nur den höchsten Berg und den Namen der Inselhauptstadt kennt, welche in den Schubladen der Inselregierung befindlichen Bauvorhaben auf Verwirklichung warten? Das Rezept ist einfach und effektiv. Man erkärt bei der Besichtigung eines interessanten Objekts dem Makler oder dem privaten Verkäufer, dass man sich vor Ort noch ein bisschen alleine umsehen will. Haben sich die Herrschaften von dannen gemacht, fängt man bei nächster Gelegenheit ein beiläufiges Gespräch mit neugierigen Nachbarn an. Irgendeinen, der Englisch spricht, findet man fast immer. Und den oder die fragt man dann einfach einmal, wo denn die Via rapida (das ist die Schnellstrasse) herführen soll. Oder wo der Tunnelausgang liegt für das neue Verbindungsstück. Und ob Nachbarn schon wegen der Strassenführung (entschädigungslos) enteignet wurden. Natürlich baut nicht immer nur der Staat. Also erkundigt man sich (immer im Plauderton), ob das Land für das neue Hotel schon vermessen worden ist. Oder wo der Maschendraht des neuen Golfplatzes verläuft. Die einfachen Leute auf dem Land geben auf diese Fragen gern Auskunft. Denn sie sind stolz auf jede Neuerung in ihrer Gegend und sie kennen sich mit den Bauplänen einigermassen gut aus. Wenn die eine Nachbarin anfängt, auf offenem Felde die talüberspannende Brücke in die Luft zu zeichnen, werden schnell zwei, drei Andere herbeigelaufen kommen, um mitzugestikulieren. Je mehr Madeirenser sich an dem Spektakel beteiligen, um so sicherer ist da etwas „im Busch“, das den Charakter der Gegend entscheidend verändern wird. Nur wenn alle Fragen mit traurigem Gesicht beantwortet werden und der Angesprochene mit stillem Ausdruck seinen (essigähnlichen) Hauswein anbietet, kann man davon ausgehen: Die Leute sind ihrer Meinung nach im Regen stehen gelassen, weil hier an Bauvorhaben nichts mehr passiert. In solchem Fall führen die Schritte des Kaufwilligen auf das Rathaus. Dort fragt man (mit portugiesischem Freund an der Seite) nach Steinbruchlizenzen, die vergeben oder beantragt wurden, bergauf der Strassen im Umkreis des betreffenden Grundstücks; nach Gewerbegebieten, die die Kommune auszuweisen gedenkt, nach der offiziellen Definition des Gebiets, zu dem das angebotene Land gehört (ob zur landwirtschaftlichen Nutzung ausgewiesen oder als Wohngebiet, Entwicklungszone etc.). Im Rathaus wird man nicht mehr so bereitwillig Antwort bekommen wie unter der einfachen Bevölkerung. Die Antworten müssen auch nicht immer korrekt sein. Deshalb sollte man im Ort mit einem seriösen Bauunternehmer sprechen. Wenn die Recherchen auf dem Rathaus wenig ergeben haben, ist unbedingt noch ein weiterer Informant zu gewinnen. Taxifahrer reden gern, wissen aber wenig. Der Präsident der Bezirksregierung (Junta da Fregusia) ist ein ernst zu nehmender Gesprächspartner, wenn er einer anderen Partei angehört als der Bürgermeister. Sind alle Bedenken im Vorfeld ausgeräumt, geht es an die rechtliche Seite des Kaufvorhabens. Die Papiere müssen auf Herz und Nieren geprüft werden. Manchmal nämlich wird Land zum Kauf angeboten, was dem Verkäufer gar nicht gehört. Oder ein Erbe will verkaufen, ohne die in Venezuela und Australien lebenden Miterben vom Vorhaben unterrichtet zu haben. Oftmals hat sich eine Erbengemeinschaft auf den Verkauf geeinigt, aber es fehlen entscheidende Dokumente des Besitzes. Dies alles und noch viel mehr kann ein Kaufwilliger, der aus Deutschland anreist, nicht überblicken. Vor Ort die Lage sondieren, das ist für kontaktfreudige Menschen eine zu meisternde Aufgabe. Schon der Gang aufs Amt oder das Gespräch mit sachkundigen Bürgern der Gegend aber bedarf eines Übersetzers und Begleiters, der in der Sache engagiert ist. Für den rechtlichen und organisatorischen Rahmen des Erwerbs gilt es, kompetente und seriöse Unterstützung zu suchen und zu finden. Daran führt kein Weg vorbei. Nur so wird das Traumhaus Wirklichkeit.

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