Die alte Levada Moinhos Ponta do Sol
Durch Wiesen hoch über dem Fluss

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Die alte Levada von Ponta do Sol kann sich endlich wieder sehen lassen

24. Juli 2004

Nach aufwendigen Ausbesserungsarbeiten verläuft der Wanderweg auf sicherem Untergrund

Überwucherndes Brombeergestrüpp und ein verheerender Erdrutsch nach ausgiebigem Regenfall – damit war der Levadapfad während vieler Monate unpassierbar geworden. Doch fleissige Levadaarbeiter schufen im Frühjahr Abhilfe. An unzähligen Stellen sicherten sie den Boden nachhaltig und die dornigen Brombeersträucher sind einstweilen beschnitten. Kaum ein Einstieg ist so leicht zu finden, wie der zur alten Levada von Ponta do Sol. Deshalb dürfte der Wanderweg am Hang des recht unbekannten Talkessels von Ponta do Sol in diesem Sommer ein „Renner“ werden.Die alte Levada beflutete weitläufige Plantagen, hielt allerdings ursprünglich auch die Wassermühle des Zuckerbarons Esmeraldo in Schwung. Diese Wassermühle arbeitet heute nicht mehr, ist aber noch zu bestaunen. Man muss nur in Ponta do Sols Ortsteil Lombada zu dem alles überragenden roasafarbenen Gebäude hinauf steigen, hinter dem sich die alte Kirche erhebt. Aus einem kleinen Aquädukt stürzt dort das Levadawasser auf das alte, heute festgestellte Mühlrad. Leider befindet sich der „Solar“, so der Name eines grossen, herrschaftlichen Gebäudes, in verwahrlostem Zustand. Zur Blütezeit des Anwesens - Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts - gebot Hausherr Esmeraldo über bedeutende Ländereien, auf denen Zuckerrohr angebaut wurde. Der Handel mit daraus gewonnenem braunen Zucker, Rohrkaramel und madeirensischen Rum, Aguardente genannt, füllte zu Beginn der Neuzeit die Kassen der Madeirenser. Allerdings nur die der Reichen. Die Tagelöhner auf den Feldern der Herren verdienten einen Hungerlohn. Ihr eigenes Stückchen Land, auf dem sie Gemüse und Getreide für den Eigenbedarf kultivierten, profitierte mit keinem Tropfen vom Wasserreichtum der privaten Levadas. Gegen den Geiz der Privilegierten liefen die Kleinbauern Sturm. Lange Zeit wurden sie abgeschmettert. Während Esmeraldo in seinem prächtigen Palast mit Freund Kolumbus ein Gläschen trank, mögen sich draussen verzweifelte Szenen abgespielt haben. Doch die Revolten der Armseligen erzielten im Laufe der Zeit Wirkung. Sie erhielten schliesslich das Anrecht, gegen Bezahlung am kostbaren Levadawasser teilzuhaben. Der alte Levadaweg führt tief in den Talkessel von Ponta do Sol hinein. Dieser Kessel ist deshalb so imposant, weil er fast ganz unberührt blieb. Der Fluss, der am Ende des Levadawegs den Wasserkanal speist, bedeckt einen schmalen Streifen des Bodens. Diesseits und jenseits liegen Wiesen und Felder. Vom Dorfzentrum Ponta do Sols aus gesehen, vermutet niemand ein so weites Tal hinter der Bananenverarbeitungsfabrik am nördlichen Rand des bebauten Dorfteils. Es scheint, als würden sich dort die Felswände von östlicher und westlicher Seite ineinander verschränken. Sie lassen nur dem Fluss einen Durchschlupf. Für den Fussgänger wird es längs des Flussbetts schnell unwegsam und er gibt auf. Erst vom Levadaweg, der am Solar beginnt, ermisst sich die bezaubernde Weite des verborgenenTals. Man ist circa zwei Stunden unterwegs bis zur „Madre“ – das ist der Ort, an dem die Levada aus dem Fluss abzweigt. Meckernde Ziegen muntern immer wieder die einsamen Wandersleut’ auf. Die Arbeiten am Levadaweg haben nicht nur den Untergrund gesichert, sondern auch hier und da Geländer hervor gebracht, die vor Absturz schützen. Eine einzige Stelle hingegen ist halsbrecherisch. Wer nicht ganz sicher auf rutschfesten Sohlen steht, wird dort vorzeitig umkehren. Da der Levadaweg an der betreffenden Stelle überschüttet ist, muss man eine kleine Erdmulde hinabsteigen und an der anderen Seite wieder hinauf. Der Umweg ist zwar nur zwanzig Meter lang, aber leider wasserüberspült und deshalb extrem glitschig. Wenn diese gefahrenvolle Stelle entschärft werden sollte, wird Madeira-Zeitung eine Meldung darüber bringen. Ob mit Umkehr (nach etwa dreiviertel Stunden Wanderzeit) oder auf voller Distanz – die alte Levada von Ponta do Sol schenkt Ruhe und atemberaubende Schönheit. Ein Weg, der sich lohnt.

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