Promenade Jardim do Mar
Promenade von Jardim do Mar

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Für Prozessionen bestens geeignet

30. September 2004

Die neue Meerespromenade von Jardim do Mar

Lange Zeit war Madeira eine Grossbaustelle. Mittlerweile sind die Arbeiten auch in dem schmucken Dorf Jardim do Mar abgeschlossen – doch das Ergebnis ist nicht überzeugend.Was bringt die neue Promenade von Jardim do Mar? Das fragen Umweltschützer, Tourismusmanager, Oppositonspolitiker, Kneipiers und nicht zuletzt die verprellten Surfer seit langer Zeit. Die Antwort ist eindeutig: Parkplätze. Von offizieller Seite rechnet man offenbar mit dem Aufmarsch aller Motorisierten der Insel. Unzählige Parkplätze säumen die Strasse, die zur vierhundert Meter langen Promenade führt. Im Gegensatz zu dieser Erwartung liegt Jardim do Mar verlassener denn je da. Zwar ist es den gigantomanischen Planern nicht gelungen, den verwinkelten alten Dorfkern zu zerstören. Aber die das Dorfbild beherrschende Asphaltspur, die zur Promenade führt, macht den Besucher fassungslos. "Die Promenade wirkt leblos und überdimensioniert", meint eine enttäuschte dänische Touristin. Nach dem brachialen Eingriff in die Küstenstruktur war das nicht anders zu erwarten. Ihr norddeutscher Ehemann stimmt zu: "Wenn es wenigstens ein paar Bäume gäbe. Jetzt ist es auf all dem Beton auch noch schrecklich heiss!" Anpflanzungen werden von einem automatischen Bewässerungssystem erst noch hochgepäppelt. Eigentlich könnte es Spass machen, zwischen Wasser und Steinen herzupromenieren, doch Beton und Felsen reflektieren die Sonnenstrahlen im ohnehin heissen Jardim do Mar, und von der Stirn der Spaziergänger rinnt der Schweiss. Auch bei der Farbgebung bewiesen die Erbauer keine glückliche Hand: Olivgrüne Bänder zieren den Boden des Fußwegs, auf der Landseite wurden die betonüberzogenen Felsen braun angestrichen. Beides passt weder zueinander noch zum tiefen Blau des Atlantiks. Meerespromenaden gibt es wenige auf Madeira und kaum einmal kann man länger als zwei Minuten am Wasser entlang spazieren. Aber in Jardim do Mar ist der Idee viel geopfert werden, und ihre Ausführung kann kaum überzeugen. Eisverkäufer oder Oasen der Erfrischung, in denen man kalte Getränke zu sich nehmen könnte, fehlen noch völlig. Wie wollen die Offiziellen diese Promenade beleben? Einstweilen mag sich allenfalls der Dorfpriester freuen, dass zukünftig die Prozessionen an katholischen Feiertagen über die Promenade verlaufen können.

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