Levada moinho Ponta do Sol
Faszinierende Aussichten

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Madeiras Wasserreichtum: Die Levadas

24. Juli 2004

Wandern für jeden Geschmack

2200 Kilometer Spazier- und Wanderwege entlang der Wasserkanäle Madeiras: Für die Meisten sind die Levada-Touren eine Lust, für Manche ein Greuel.Man muss schon schwindelfrei und trittfest sein. Sonst ist der Blick in 20 bis 200 Meter tiefe Abgründe am Rande des ungesicherten Levada-Pfades bedrohlich. Leider merken Einige erst unterwegs, wie tappsig und ungeübt sie auf den Beinen sind. Auch gibt es immer wieder Exzentriker, die in Badelatschen antreten. Die Mehrheit der Besucher und Besucherinnen Madeiras allerdings ist wandererfahren oder wählt die ganz einfachen Wege. Da wo verwilderte Kiwis wachsen oder Pinien und Eukalyptus duften, wo die Levada über Wiesen führt, auf denen man picknicken kann mit neugierigen Salamandern als Jäger auf Brotkrumen und Tomatenstückchen. Natürlich gibt es Abenteuer zu bestehen. Wenn der Weg zum Beispiel auf Betonsprossen über das Wasser führt, weil der Fels, in den die Levada geschlagen ist, nicht tief genug ausgehölt wurde. Da geht es dann zur einen Seite steil bergab, zur anderen Seite schmiegt sich der Weg eng und niedrig in den Fels, da der Aushub für die eher kleinen Madeirenser gemacht wurde. Oder seitlich der Levada rauscht ein Wasserfall nieder, dessen Spritzer den Levadapfad ganz glitschig machen. An solchen Stellen darf man einfach nicht ausrutschen. Kluge Eltern seilen ihre Kinder an. Kluge Wanderer kehren um, wenn ihnen die Sache unheimlich wird. Anstatt Levadawandern als Extremsport zu betreiben, bleiben die meisten Urlauber und Urlauberinnen an den schönsten Stellen in der Sonne sitzen – oder im Schatten, je nach Jahreszeit. Sie geniessen es, in der Natur, in Stille und Einsamkeit zu rasten. Mit dem blauen Atlantik unter blauem Himmel und den unzähligen Nuancen der Farbe grün an den Hängen und in den Wäldern. Auch unter den Madeirensern nimmt die Zahl der Levadawanderer zu – wenn auch langsam. Sie entdecken die vergessene Schönheit ihrer Heimat und die Intelligenz der traditionellen Bewässerungskultur. Längs der Levadas findet man immer wieder kleine schnuckelige Häuschen mit üppiger Blumenpracht im Vorgarten. Das sind die Arbeits- und Wohnhäuser der Levadeiros. Levadeiro heisst der Arbeiter, der für Instandhaltung des Kanals, aber auch für die Wasserzuteilung zuständig ist. Mit Hilfe von Schalthebeln und Blechtürchen dirigiert er das Nass in verschiedenste Richtungen. Der Wohnbereich der Häuschen steht heute oft leer. Die Levadeiros haben inzwischen ein Auto vor der Tür stehen und ziehen es vor, im Dorf zu wohnen. So manch findiger Geschäftsmann unter den Touristen hatte die Idee, den leerstehenden Teil von Levadahäuschen in Bed & Breakfast-Pensionen umzugestalten. Aber da spielt die Inselverwaltung einstweilen kaum mit. Kreativität ist nicht ihre Stärke. Allerdings fangen nun einige Bürgermeister Madeiras an, die Anfahrtwege zu Levadaeinstiegen zu beschildern. Wenn sie demnächst gar besonders prekäre Stellen sichern würden, dienten sie ihrer Insel in mannigfacher Hichsicht: Sie würden das Kulturgut Levada bewahren und die Sicherheit unzähliger Wanderer fördern. Schade auch, dass zwischen Oktober und März in einigen Levadas das Wasser abgelassen wird. Das geschieht aus wirtschaftlichen Gründen in niederschlagsreicheren Monaten. Doch die Wanderung entlang der (natürlich wasserbefördernden) Levada ist längst zu einem neuen Wirtschaftsfaktor geworden, der das ganze Jahr über Touristen aus aller Welt nach Madeira lockt.

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