Portugiesische Galeere
Foto: www.lobosonda.com

Druckansicht

Kein Giftquallen-Alarm auf Madeira und Porto Santo

20. April 2018

Eine Mini-Version der Portugiesischen Galeere schwimmt vor den Badestränden der beiden Inseln

eins - Die Bild-Zeitung liebt die Sensation. Mitte April verweist sie in ihrer digitalen Ausgabe via travelbook.de auf einen Bericht des ADAC, nach welchem die hochgiftige Portugiesische Galeere mit bis zu 50 Meter langen Tentakeln vor den kanarischen Inseln auf Badegäste lauert. Gerät man in deren Fänge, gibt es schmerzende, rote Striemen auf der Haut, in einigen Fällen komme es zu Atemnot. Manchmal erleiden die Badenden nach dem Kontakt mit dem Nesseltier sogar einen tödlichen allergischen Schock. Soweit die geballte Ladung von Travelbook und ADAC, präsentiert durch die BILD-Überschrift "Giftquallen-Alarm". Lassen wir die Kanaren und wenden uns der weniger spektakulären Realität Madeiras zu.

Die Portugiesische Galeere, wie man sie regelmäßig am Sandstrand von Porto Santo und gelegentlich auch vor Madeiras Küsten findet, ist sehr viel kleiner. Claudia Gomes begleitet als Expertin seit vielen Jahren Whalewatching-Boote der Firma Lobosonda von Calheta aus. Sie schreibt der Madeira-Zeitung über die gesichteten Portugiesischen Galeeren: „Die, die wir sehen (tot am Strand oder lebend auf dem Meer weit draußen) sind nicht sehr groß. Vielleicht höchstens 10cm lang, so dick wie eine dicke Bratwurst und das aufgespannte „Segel“ so groß wie eine kleine Hand mit gespreizten Fingern. Ich habe noch nie längere Tentakel als 2 Meter gesehen und oft sind es wirklich nur kleine, kurze Fäden.“

Zu unterschätzen sind auch diese kleineren Tiere gewiss nicht.
Sie gehören eigentlich nicht zu den Quallen, und streng genommen handelt es sich auch nicht um ein Tier, sondern um einen ganzen Verbund von Tieren – Polypen – die arbeitsteilig zusammen leben. Das Segel, eine Gasblase, die blass-bläulich schimmert, wird von einem einzigen Polypen gebildet. Andere sind für die Nesselfäden, die Verdauung, die Fortpflanzung zuständig. Dieser Tier-Verbund wird mit dem Wind über die Oberfläche des Meeres verdriftet. Starke Brandung mögen die Tiere nicht, ruhiges Wasser ist ihnen angenehmer – wie den Badenden auch.
Wer mit der Portugiesischen Galeere in Kontakt gerät, spürt einen heftigen Schmerz, der bis zu einer Stunde anhalten kann. Einen allergischen Schock erleiden eher geschwächte Personen oder Allergiker als gesunde Schwimmer. Gefährlich ist der starke und unerwartete Schmerz auch deshalb, weil er das ruhige Zurückschwimmen hindert. „Vorsicht, aber keine Panik“ mahnt die Apotheken-Umschau. Am Strand angelangt, sollte man auf keinen Fall die für Quallen üblichen Mittel wählen. Die meisten Empfehlungen raten auch von der Benutzung von Essigwasser ab. Das wichtigste ist, die noch vorhandenen Überreste von der Haut zu entfernen – natürlich nicht mit der Hand! Auch das Abrubbeln mit einem Handtuch ist ungünstig, weil es weitere Nesselzellen dazu bringt, sich zu öffnen, dadurch wird der Schmerz verstärkt. Mit einer Pinzette oder einer Kreditkarte kommt man weiter. Der vielfach empfohlene Rasierschaum (eintrocknen lassen und dann abschaben) gehört vermutlich nur selten zum Strandgepäck...Spülen sollte man auf jeden Fall mit Salzwasser und nicht mit Süßwasser. Heißes Wasser zerstört angeblich vorhandene Giftreste und kann nach der Entfernung der verbliebenen Tentakeln angewendet werden. Anschließend mit Kühlpacks kühlen und Antihistaminika auftragen. Wo es eine Strandaufsicht oder Rettungsschwimmer gibt, sollte man sich unbedingt an diese wenden. Sie wissen am besten, was unter den Bedingungen dieses Strandes am schnellsten Erleichterung verschafft.

Leserbriefe

Keine Leserbriefe vorhanden

Leserbrief schreiben

Mit Sternchen (*) gekennzeichnete Formularfelder müssen ausgefüllt werden.