sts - Das Walmuseum in Caniçal war mehrere Jahre geschlossen. Im September wurde es im großen Neubau - nun nicht mehr im Dorfzentrum, sondern am westlichen Dorfrand - feierlich wieder eröffnet.
Parallel zur Tagung der Internationalen Walschutz-Kommission (IWC) in Madeiras Hauptstadt wurde im ländlichen Prazeres eine kleine Ausstellung eröffnet. An den Wänden im Konferenzraum des für sein Umwelt-Engagement bekannten Hotels Jardim Atlantico hängen seit Mitte Juni zwanzig großformatige gerahmte Fotografien von Walen, mit Erläuterungen versehen. Initiatorin Claudia Gomes: „Es geht bei der Konferenz der IWC um den Schutz der großen Meeressäuger. Die kleinen Wale, wie wir sie vor der Küste Madeiras gesehen und fotografiert haben, sind in keiner Weise geschützt.“
Ein Blauwal ist ein Säugetier der Superlative. Er kann bis zu 33 Meter lang und 190 Tonnen schwer werden. Sein Herz hat die Größe eines VW Käfers, seine Hauptschlagader könnte von kleinen Kindern durchschwommen werden. Wenn der Blauwal nicht von Menschen getötet wird, kann er ein Alter von 80 Jahren erreichen. Auf der ganzen Welt gibt es nur noch 2500 bis 5.000 Tiere.
Und einer von ihnen wurde Anfang April vor Madeira gesichtet. Das Walbeobachtungsboot „Ribeira Brava“, gut mit Madeira-Urlaubern besetzt, kam ganz in seine Nähe. Passagiere und die Crew waren begeistert.
Früher stand der Späher auf einem Berg oberhalb von Caniçal, dem Walfängerort. Sobald er seine Rakete abgeschossen hatte, stürmten Boote aus der Bucht hinaus aufs Meer, den gesichteten Wal zu töten. Seit einiger Zeit lauert wieder ein Späher hoch oben auf dem Berg. Mit modernem Equipment versehen: Ferngläser, die die Weite des Meeres entdecken; und anstelle der Feuerwerkskörper ein Anruf über Handy: „Ein Pottwal, so scheint es, bei 278!“ Für die Späherin Claudia Gomes noch unsichtbar geht die „Ribeira Brava“ auf Kurs, dreht voll auf. Eine Harpune hat der Kapitän nicht in Anschlag.
Pünktlich um10h30 legt das Boot ab. Der erfahrene Fischer Luís steht am Ruder. Seit 55 Jahren fährt er zur See. Kurz zuvor hatte sich Kapitän Rafael seinem Dutzend Passagieren vorgestellt. Dann verläßt die „Chavella“, ein typisch madeirensisches Fischer-Segelboot aus Holz, den Hafen von Calheta in Richtung offenes Meer. Ziel der Reise: die Aufenthaltsorte von Delfinen und Walen.