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In der Liga der Kirchen knistert es beim Tabellenführer

24. April 2019


Bittere Satire unseres fußballbegeisterten katholischen Mitarbeiters Pedro Latour dos Santos, stets gut informiert über jüngste Entwicklungen im Bistum Funchal

Nach Anpfiff hat der neue Bischof von Funchal sofort nachgetreten

latour - Dom Nuno grätscht 'rein, wo sein Vorgänger den Ball hat laufen lassen. 
Der neue Kapitän geht aber die eigenen Mannen an. Denn auf dem rechten
Flügel ziehen ein paar Dribbelkünstler in rabenschwarzen Trikots ein 
merkwürdiges Spiel auf. Eigenmächtig kehren sie zurück zum Latein als Sprache der Messe in kleinen Kapellen auf Madeira. Der Bischof fackelt nicht lange und stellt kurz 
vor Ostern die Spielverderber vom Platz. 

Das ist schon ein Kabinettstückchen, was ein gewisser Pater Samuel Bon 
da hinlegt. Aus der Tiefe des Raumes erscheint er mit himmelhohen 
Bällen. Samuel Bon vertritt eine Bruderschaft, die die Messe im alten 
Stil und in lateinischer Sprache zelebriert. Das hat ihm der neue 
Bischof für den Raum Madeira untersagt. Samuel Bon will dennoch weitermachen.
Sinngemäß meint er, „wenn Gott auf der Tribüne säße, würde er uns 
applaudieren, weil wir Traditionalisten seine treusten Söhne sind“. 
Da knistert etwas im Inneren. Auch von außen kommt Druck. Wie Benfica in 
der ersten Dimension ist die Katholische Kirche Rekordmeister in ihrer 
Liga. Es dürfte aber eng oder zumindest enger werden, da Pfingstler und 
andere Freikirchen auf Madeira kräftig Fuß fassen. "Wir sind die Macht", 
an dieser Parole zweifeln weder die katholischen Profis noch ihre 
Supporters. Doch das Spiel der Pfingstler geht in einer erfolgreichen 
Strategie auf, nämlich der konsequenten Manndeckung. Einem jeden wenden 
sie sich zu, helfen psychologisch beratend und mit göttlicher Segnung. 
Wo die katholische Kirche teilnahmslos verkündet, Gott läßt keinen im 
Stich, rufen die Pfingstler Gottes Coaching in jedem einzelnen Fall 
herbei. So gerät die religiöse Erfahrung zu einem ganz 
persönlichen Dribbling, während es bei der katholischen Kirche in 
Portugal und Madeira meist auf ein liebloses Abklatschen hinausläuft. 


Daß das Einzeltraining der Pfingstler und anderer Freikirchler 
manipulativ und finanzorientiert ist, schmälert nicht deren Siegeszug. In Südamerika 
haben sie die Katholische Kirche von der Tabellenspitze bereits verdrängt, in den USA erstarken sie ebenfalls - mit reichen Mäzenen im Hintergrund. Auch auf Madeira erleben sie Zulauf. 
Diesen Stachel bemerken die katholischen Vereinsoberen kaum. Stattdessen beklagen sie die vielen Eigentore, die der Mannschaft unterlaufen. Lange Zeit 
hatte man über Schweinereien, die in Clubhäusern oder woanders 
passieren, eine Decke des Schweigens breiten können. Doch heute bleibt 
es kein Geheimnis mehr, daß bei dem Tabellenführer der Schuß allzu 
häufig nach hinten los geht. Ein Ronaldo brilliert auf dem Rasen und 
beweist danach im Bett seine Manneskraft - ob man das gut findet oder 
nicht. Auch die Profis der Kirche zeigen sich in der Arena als glänzende 
Akteure. Wie aber kriegt man es hin, daß sie auch danach dem fair play 
treu bleiben?

Mit der Clubphilosophie der Kirche sind Eigentore unvermeidbar. Die 
Clubphilosophie sieht vor, daß die Akteure rundum im Einsatz sind. Nach 
dem Auftritt in der Arena geht es direkt ins Trainingslager. KeinWunder, 
daß immer wieder einzelne ein Loch im Zaun suchen, durch das sie für 
einige Zeit ungesehen in eine dunkle Zone verschwinden. Die 
Vereinsoberen befehlen, alle Löcher im Zaun zuzunageln. Doch das 
verhindert nicht den Kontrollverlust - mit traumatischen Folgen bei den
Gefoulten, in der Fankurve, bei den Akteuren selber und für den
scheinbar unbezwingbaren ewigen Sieger... 

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