Marktstand in der Halle von Estreito da Câmara de Lobos

Marktstand in der Halle von Estreito da Câmara de Lobos

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Ein Markt ohne Make-Up

5. Dezember 2017

Obst, Gemüse, Fisch und Fleisch in touristenfreier Zone

eins - Estreito de Câmara de Lobos ist ein unansehnlicher Flecken. Schlicht gekleidete Menschen warten an Bushaltestellen. Die Straßen des Ortes steigen mühsam Hänge hinauf oder winden sich hinunter. Die Hänge sind mit Weinstöcken übersät. Eine Großbäckerei unterhält ein Café, der Mehlstaub hängt in der Luft. Zwei berühmte Restaurants servieren in Wartesaal-Atmosphäre die angeblich besten Fleisch-Spieße Madeiras. In der Nähe der Kirche liegt die Markthalle.

Märkte unter freiem Himmel, wie die von Straßburg oder Münster, leben von ihrem bunten Treiben und dem Wetter. Ihre verzweigten Gassen öffnen illusionäre Fluchtwege, wenn auf dem großen Marktplatz von Marrakesch zum Flötenspiel die Schlange aus dem Sack empor tanzt.
Markthallen indes wirken bedrückend. In Bordeaux, Marbella oder Berlin – ob die Sonne scheint, es regnet oder der Himmel grau ist, man sieht davon nichts. Ihre Gänge sind geradlinig, die Quergänge zweigen rechtwinklig ab.
Die Markthalle von Estreito de Câmara de Lobos ist klein, aber nur zur Hälfte ausgefüllt. Auf der Galerie kommen Metzger, Minimercado und Fischhändler dazu. In der gedämpften Stimmung der Halle bieten zehn bis fünfzehn Händlerinnen mickriges Obst und Gemüse an. Dass ihre Ware aussieht wie aus ökologischem Anbau lässt vermuten, dass bei der chemischen Behandlung gespart wurde. Dies ist kein schlechtes Zeichen. Außerdem schmecken die Früchte. Besonders die Bananen, die anders als in den Supermärkten, in reifem, gelben Zustand feilgeboten werden, haben es in sich. Für fünfzig Cent das Kilo gehen sie über den Ladentisch.

Die Markthalle von Estreito de Câmara de Lobos ist einen Besuch wert, weil sie völlig ungeschminkt und ohne touristischen Betrieb auskommt. Hier werden an Einheimische zumeist Produkte aus der Umgebung verkauft. Man trifft dort nicht auf die Nepper und Schlepper, die im Zuge des Kreuzfahrttourismus die Markthalle von Funchal bevölkern. Zwar ist die Atmosphäre der Markthalle in der Hauptstadt überhaupt nicht bedrückend, weil sie eine hohe Decke besitzt und durchs Glasdach den Sonnenschein hinein lässt. Aber der Mercado dos Lavradores ist ein touristischer Event geworden – sicherlich sehenswert. Die Markthalle von Estreito de Câmara de Lobos ist genau das Gegenteil.
Geöffnet täglich außer montags von 8h00 bis 21h00, sonntags von 6h00 bis 21h00.

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