Einheimische im Winter

Die Eskimos im Regenwald

13. Januar 2010

Wenn der Himmel weint, fängt Madeira an zu frieren

Südwind, 23 Grad. An der gesamten Südküste Madeiras schüttet es wie aus Eimern. Das Inselvölkchen holt die wärmste Kleidung aus dem Schrank. Während Touristen in T-Shirts und kurzer Hose durch den warmen Regen marschieren, laufen Madeirenser in gefütterten Blousons, Rollkragenpullover, Schal und Wollmütze durch die Gegend. Bei Regenwetter schaltet die Wahrnehmung der Einheimischen auf kalt.

Die Eskimos im Regenwald1

Altstadtgasse

Bezaubernd und verhärmt

21. November 2009

Funchals Altstadt ist vom Leben gezeichnet

In Alt-Funchal haben Restaurants als „Gartenlokale“ Straßen und Gehwege besetzt. Putzige Häuschen säumen den Wegesrand, und die schmalen Gassen können im Nu zum heißen Pflaster werden. Die Zone am Ostrand Funchals hat Atmosphäre, hier findet jeder, was er braucht: der Gourmet sein Menü, der Flaneur die Promenade, der Kunstliebhaber ein exquisites Museum und der Junkie seinen Schuss.

Bezaubernd und verhärmt2

Jüdischer Friedhof von Funchal

Madeiras Jüdischer Friedhof

11. Juli 2009

Die Randlage macht ihm zu schaffen

Von der Altstadt (Zona Velha) führt uns die „Rua do Lazareto“ ostwärts an der Kirche Santa Maria Maior hoch zum ehemaligen Typhus-Lazarett. Nach wenigen hundert Metern ragt gegenüber der Autowerkstatt „Auto Lazer“ ein hohes Tor in den Himmel; dahinter verbirgt sich, abgeschottet und verlassen, der jüdische Friedhof. Die beiden Geschäftsleute Isaac Esnaty und Judah Aloof hatten das Gelände um 1851 für ihre kleine Gemeinde erworben. Der Ort entsprach den damaligen Vorschriften, die festlegten, dass ein Friedhof für Nicht-Katholiken außerhalb der Stadtmauern liegen müsse.

Madeiras Jüdischer Friedhof3

Topf ohne Deckel

Nische, Balken und Viertel-vor-Drei

8. Juni 2009

Portugiesisch für Quereinsteiger

„Klingt irgendwie osteuropäisch“ oder „Verstehe nur Bahnhof“. Viele deutschsprachige Feriengäste kommen mit dem Portugiesischen überhaupt nicht klar. Dabei gibt es eine Vielzahl von gemeinsamen Wörtern in beiden Sprachen, die aber beim Pendeln zwischen den Sprachräumen ihre Bedeutung leicht wandeln können.

Nische, Balken und Viertel-vor-Drei4

Bauer  aus Livramento

Landflucht

7. Mai 2009

Das Dorfleben verödet. Mit buntem Treiben lockt die City.

„Hier gibt es keine Frauen mehr zum Heiraten“, klagt Nuno Ferreira, 27, aus Arco de São Jorge an der Nordküste. Für seinen 42 Jahre alten Onkel João ist der Zug längst abgefahren. „Mit Landwirtschaft und Schweinemast komme ich auf keinen grünen Zweig. Wie soll ich da einer Frau was bieten? Außerdem sind die Mädels vom Land sowieso hinter den Schnöseln aus der Stadt her.“ Gerade einmal zwei Geburten verzeichnete das 500-Seelen-Dorf in 2008. Der Einwohnerschwund in den vergangenen zehn Jahren liegt über zwanzig Prozent. Für Ribeira da Janela – das ist ein 200-Seelen-Flecken im Nordwesten Madeiras – erhöhte das zuständige Rathaus die Geburtsprämie von 100 auf 500 Euro. Vergeblich. Das letzte Baby kam vor drei Jahren zur Welt. Auf den Dörfern Madeiras ist „tote Hose“. Auch im übertragenen Sinn. So sieht es ein Großteil der Landbevölkerung und zieht weg. Nur die Alten bleiben. Diejenigen mittleren Alters, die den Absprung verpassen, greifen nicht selten zur Flasche. Und von den Landjugendlichen sehnen sich einige danach, von Drogendealern mit chemischen Aufhellern aus der vermeintlichen Trostlosigkeit herausgeholt zu werden.

Landflucht5

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