Volle Kraft voraus!

11. Juni 2011

Früher war das Schiff billiger als der Überlandbus

um - „Ich war damals zehn Jahre alt“, erzählt Dona Teresa. Das muss so Anfang der 50er Jahre gewesen sein. „Ich war mit meiner Tante am Kai von Ponta do Sol verabredet. Wir wollten zusammen nach Funchal fahren. Mit dem Boot – wie immer.“ Laut Fahrplan dockte das Linienschiff um sechs Uhr in der Frühe an. Der Fußmarsch von Teresas Elternhaus bis hinunter zum Meer war drei Kilometer lang. Es ging durch stockfinstere Nacht munter bergab. „Laternen gab es keine auf dem Land.“ Angst, alleine in der Hergottsfrühe? „Angst nicht. Aber unausgeschlafen war ich. Wie alle auf dem Boot, das durch die Nacht in Richtung Hauptstadt dampfte.“

Volle Kraft voraus!1

Satire: Pech gehabt, Herr Doktor!

19. Februar 2011

Portugal wäre 'ne prima Alternative

santos - Beim Minister Guttenberg ist der Wurm drin. Erst die Missgeschicke im Amt, dann Anschwärzungen von der juristischen Zunft. Aber schon in der Schule heißt es: Wer sich beim Abschreiben erwischen lässt, ist selber schuld. In Portugal wären dem Freiherrn die aktuellen Unannehmlichkeiten erspart geblieben. Denn da wird man ganz ohne Doktorarbeit zum Doktor. Portugal wäre 'ne prima Alternative

Satire: Pech gehabt, Herr Doktor!2

Scharfe Hunde

28. Juni 2010

Madeiras Polizei ahndet jedes Vergehen

Autoklau ist selten auf Madeira. Wo soll man schon das Diebesgut verstecken oder anbieten, wenn auf der kleinen Atlantikinsel fast jeder jeden kennt? Als die Regionalzeitung vorgestern schrieb, dass der zwei Wochen zuvor verschwundene Honda Concerto immer noch nicht aufgetaucht ist, meldete sich ein Leser: „Der steht bei mir vor der Haustür.“ Die Polizei, die den Wagen seit vierzehn Tagen auf der Fahndungsliste hatte, raste hin. Die Polizisten fanden den gestohlenen Wagen im Halteverbot abgestellt. Unterm Scheibenwischer klebte ein saftiges Knöllchen – von einem knallharten Kollegen ausgestellt.

Scharfe Hunde3

Denkmal Revolta das Aguas

Der Kampf ums Wasser

19. August 2008

Marginalien aus Madeira anlässlich der Weltwasserwoche

Vom 14. bis zum 19. August fand in Stockholm die zehnte Weltwasserwoche statt. Bedrückendes Resultat: Jeder fünfte Mensch leidet bereits unter Wasserknappheit. Zukünftig wird es Verteilungskämpfe um das wertvolle Nass geben.- In Madeira tropft und rinnt Wasser derzeit noch überall. Da trifft man beim Wandern auf feuchte Wände in der Landschaft, in allen Grüntönen mit Farnen und Moosen, mit Frauenhaarfarn- und Bubikopf-Bewuchs. Doch die Niederschlagsmengen sind rückläufig. Deshalb sind die Bauern von São Jorge im Norden Madeiras böse darüber, dass die Regierung die Zuteilung aus den Wasserkanälen weiter kürzt und das Wasser stattdessen einer Firma zuleitet, die im staatlichen Auftrag Tunnellöcher bohrt. Auch in Zeiten, da das Wasser noch reichlich floss, gab es bereits Verteilungskämpfe. Am 21. August 1962 bezahlte eine junge Frau den Ungehorsam der Bauern gegenüber der Obrigkeit mit ihrem Leben. An die „Revolta das Águas“ erinnert heute ein Denkmal.

Der Kampf ums Wasser4

Brücke Ponta do Sol

Vorwärts und nicht vergessen

11. Juni 2007

Madeiras alte Wege und neue Straßen

Viele Touristen sind froh, wenn sie nach vierstündigem Flug ihren Ferienort binnen kurzer Zeit erreichen. Früher gondelte man stundenlang über Bergkämme hinweg, jonglierte auf der Steilküste und an Talrändern entlang, um durchgeschaukelt jwd seinen Koffer auszupacken. Diese Zeiten sind vorbei! Die Inselregierung hat einen Großteil der 35 Milliarden Euro, die seit dem Beitritt Portugals zur Europäischen Union nach Madeira flossen, dazu benutzt, Schluchten zu überspannen und Felsmassen zu durchlöchern. Auf Schnellstraßen rollt heute der Verkehr zügig rund um die Insel. Einer der längsten Tunnel Portugals (3,62 km) koppelt den Norden und den Süden unmittelbar aneinander. Entlegene Orte sind heute leicht anzusteuern. Madeira ist zusammengeschmolzen.

Vorwärts und nicht vergessen5

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