Geschichten aus Madeira

25. März 2015

Beim Zoll

pedro - Eine Luftfracht aus der Schweiz ist eine pikante Sache. Die Schweiz liegt zwar mitten in Europa, aber außerhalb der EU. Andersherum liegt Madeira geographisch außerhalb von Europa (der Archipel gehört geographisch zu Nordafrika), ist aber als portugiesische Insel Teil der EU.

Die Nachricht flattert ins Haus: im Lager vom Flughafen wartet ein größeres Gepäckstück auf Abholung. Also hin. Den Benachrichtigungsschein nimmt ein Lagerarbeiter zu Hand, sucht kurz und fährt sodann das Frachtgut auf einer Sackkarre bis an die Rampe. Dann steigt er hinunter, berechnet den Aushändigungspreis und kassiert den niedrigen Betrag. Frachtgut in den mitgebrachten Lieferwagen packen und ab die Post? Denkste!!!
Das Frachtgut bleibt an der Rampe stehen. „Erst noch zum Zoll“, sagt der Lagerarbeiter und weist nach links um die Ecke. Fünf Minuten Fußweg, und man steht beim Luftfrachtzoll von Madeira. „Was is 'n drin?“ fragt der Chef. „Ein Luftentfeuchter.“ - „Gebraucht oder neu?“- „Gebraucht.“ Der Chef ruft einen Angestellten: „Geh mal mit.“ Fünf Minuten Fußmarsch zur Rampe. Unterwegs das übliche Gespräch, das Madeirenser mit Ausländern führen: „Schön auf Madeira?“ - „Und wie!“ Das wollen sie alle hören. „Wo wohnste denn hier?“ - „In Ribeira Brava.“ - „Ach, da hat ein Cousin von mir eine kleine Hütte. Ich bin da oft im Sommer. Schwimmen und so.“ Wenn das Gespräch so läuft, hat man schon die halbe Miete. Dann der Kasten auf der Rampe. Gut verpackt. „Müssen wir mal aufmachen.“ Der Lagerarbeiter hält für solche Fälle einen „Kuhfuß“ bereit, der auf Portugiesisch „Ziegenfuß“ heißt. Ein brillant lackiertes blaues Monstrum kommt zum Vorschein. „Ist neu“, stellt der Zollmann sachkundig fest. „Hier sind aber schon Macken dran.“ - „Künstlich zugefügt. Wo ist die Rechnung?“ - „Es gibt keine Rechnung.“ Der Zollmann kratzt sich am Kopf. „Schwierig, schwierig.“ Er öffnet eine Klappe des Geräts. Da fällt ein alter Filter raus. „Okay“, sagt der Zöllner, betastet den Filter, riecht daran „das Gerät ist gebraucht.“ Mit Blick auf den Lagerarbeiter: „Mach wieder zu.“ Fünf Minuten Rückweg. Das Thema sind die Sommerferien. „Madeira ist so schön. Man braucht gar nicht zu verreisen, wenn man hier wohnt.“ Lachen und beherztes Kopfnicken.

Der Chef erwartet uns. „Gebrauchtes Gerät aus der Schweiz. Ohne Rechnung“, heißt der Rapport. Der Chef kramt Listen aus alten Aktenordnern hervor und füllt umständlich ein Formular mit Zahlen aus. Zwischendurch fragt er: „Schon lange da? - Und? Die Schweiz ist doch auch ganz schön. Sagen viele.“ Dann schreibt er weiter. Als er beim Formular in der letzten Zeile anlangt, hebt er den Kopf. „Ich habe Verwandte in Genf. Die arbeiten da im Krankenhaus. Verdienen sehr gut.“ - „Dafür ist das Leben aber auch sehr teuer.“ - „Au ja“, sagt der Chef wissend. „Meine Verwandten fahren zum Einkaufen oft nach Frankreich rüber und bringen dann kiloweise Fleisch mit.“ Dann wiegt er den Kopf und lächelt verschmitzt. „Dürfen sich dabei aber nicht vom Zoll erwischen lassen....“ Die Amtsmiene ist verschwunden, als er freundlich sagt: „So, wir bekommen dann 87 Euro und 90 Cent Zollgebühr. Können Sie bei der Kollegin an der Kasse bezahlen.“ Händedruck und „gute Fahrt“ als Wunsch zum Abschied. Fünf Minuten bis zum Lagerarbeiter, der an der Rampe wartet. Er hilft beim Verstauen des wieder mustergültig verpackten Geräts im Lieferwagen.

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