Altertümliches kleines Personenschiff auf dem Meer, Fahrgäste mit Zylinder an Bord
Das Motorschiff nach Funchal

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Volle Kraft voraus!

11. Juni 2011

Früher war das Schiff billiger als der Überlandbus

um - „Ich war damals zehn Jahre alt“, erzählt Dona Teresa. Das muss so Anfang der 50er Jahre gewesen sein. „Ich war mit meiner Tante am Kai von Ponta do Sol verabredet. Wir wollten zusammen nach Funchal fahren. Mit dem Boot – wie immer.“ Laut Fahrplan dockte das Linienschiff um sechs Uhr in der Frühe an. Der Fußmarsch von Teresas Elternhaus bis hinunter zum Meer war drei Kilometer lang. Es ging durch stockfinstere Nacht munter bergab. „Laternen gab es keine auf dem Land.“ Angst, alleine in der Hergottsfrühe? „Angst nicht. Aber unausgeschlafen war ich. Wie alle auf dem Boot, das durch die Nacht in Richtung Hauptstadt dampfte.“

„Busse von der Firma Rodoeste verkehrten damals schon. Aber der Fahrpreis war wesentlich höher als die Schiffstour. Und so fuhren alle einfachen Leute übers Meer nach Funchal.“ Der Gatte von Teresa hat den Fahrplan noch im Kopf. „Der Kahn verliess um 5 Uhr in der Frühe den Hafen von Paul do Mar. Er legte unterwegs in Jardim do Mar und Madalena do Mar an, bevor er nach Ponta do Sol kam. Weiter ging es über Ribeira Brava und Campanario nach Faja dos Padres.“ Faja dos Padres ist eine Landzunge, die nur über das Meer zu erreichen war (heute gibt es einen Aufzug für Nervenstarke). „Da war mir immer unheimlich zumute“, flicht Dona Teresa ein. „Nur dieses Fleckchen Land, eingekesselt von riesigen Felswänden und dem Meer auf der anderen Seite. Ich war immer froh, wenn das Schiff wieder ablegte.“ Der letzte Halt vor Funchal war Camara do Lobos. „Gegen acht Uhr kamen wir im Hafen von Funchal an. Meine Tante hatte Geld von Verwandten aus Venezuela per Post erhalten. Das tauschten wir bei der Bank von Portugal ein. Das war die einzige Bank auf Madeira, die so etwas machte.“ Die Auswanderer verdienten besser als die Daheimgebliebenen. „Vor Weihnachten schickten sie ein bisschen Erspartes nach Hause. Wir kauften davon Weihnachtsgeschenke, da wir schon einmal in der großen Stadt waren.“ Am Nachmittag ging es übers Meer zurück. „Es gab täglich viele Verbinungen hin und zurück.Größere und kleinere Schiffe. Natürlich nur bei gutem Wetter. Wenn die See rau war, liefen die Schiffe nicht aus.“ Senhor José zählt mit einem Lächeln auf seinem faltigen Gesicht die Namen der Schiffe auf: „Die Gaviao fuhr um die ganze Insel herum. Das war schon ein großer und seetüchtiger Dampfer.“ Die Passagiere hatten oft stundenlange Fußmärsche zu bewältigen, ehe sie am Hafen anlangten oder aber beladen vom Hafen nach Hause kamen Eine Reise nach Funchal und zurück war ein großes Unternehmen. Die Leute vom Land waren immer aufgeregt, weil die Hauptstadt soviel reicher, größer und hochnäsiger war als ihr Heimatdorf. Die Reisen per Boot gingen bis zum Ende der 70er Jahre. Dann wurde der Linienschiffsverkehr eingestellt.

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