Denkmal Revolta das Aguas
In diesem Wasser fliessen Blut und Tränen

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Der Kampf ums Wasser

19. August 2008

Marginalien aus Madeira anlässlich der Weltwasserwoche

Vom 14. bis zum 19. August fand in Stockholm die zehnte Weltwasserwoche statt. Bedrückendes Resultat: Jeder fünfte Mensch leidet bereits unter Wasserknappheit. Zukünftig wird es Verteilungskämpfe um das wertvolle Nass geben.- In Madeira tropft und rinnt Wasser derzeit noch überall. Da trifft man beim Wandern auf feuchte Wände in der Landschaft, in allen Grüntönen mit Farnen und Moosen, mit Frauenhaarfarn- und Bubikopf-Bewuchs. Doch die Niederschlagsmengen sind rückläufig. Deshalb sind die Bauern von São Jorge im Norden Madeiras böse darüber, dass die Regierung die Zuteilung aus den Wasserkanälen weiter kürzt und das Wasser stattdessen einer Firma zuleitet, die im staatlichen Auftrag Tunnellöcher bohrt. Auch in Zeiten, da das Wasser noch reichlich floss, gab es bereits Verteilungskämpfe. Am 21. August 1962 bezahlte eine junge Frau den Ungehorsam der Bauern gegenüber der Obrigkeit mit ihrem Leben. An die „Revolta das Águas“ erinnert heute ein Denkmal.

 

Die Levada do Moinho, die Mühlenlevada, endet an der Kapelle, die hinter dem massiven rosafarbenen Solar im Ortsteil Lombada von Ponta do Sol steht. Genau dort trifft man auf das Denkmal. Es scheint, als hätte ein Schweißer Messingteile aus seiner Werkstatt zusammengefügt. Ein rechteckiger Rahmen von Kupplungen mit einer kleinen Glocke in der Mitte. Die Inschrift: In diesem Wasser fließen Blut und Tränen. Ganz in der Nähe starb die siebzehnjährige Sãozinha vor 46 Jahren. Die junge Frau hatte bei der Belagerung des Levada-Endes mitgemacht. Ein Polizeisturm von 200 Uniformierten bereitete der dreimonatigen Bauernaktion ein dramatisches Ende. Was war dem vorausgegangen?

Die Levada do Moinho war ursprünglich Eigentum eines Großgrundbesitzers, dann einer englischen Familie, dann Staatsbesitz. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts erwarb die Kooperative der Bauern die Rechte am Levadawasser. Der Preis dafür war hoch und die Bauern erbrachten große Opfer um den Kauf zu finanzieren. Später befand aber die Obrigkeit, dass die Bauern das Levadawasser in Gebiete leiteten, die im Kaufvertrag gar nicht vorgesehen waren. Schließlich beanspruchte der Staat die Oberaufsicht über die Wasserverteilung. Dem wollten die Bauern nicht zustimmen, hatten sie doch ihre letzten Escudos zusammen gekratzt. Sie besetzten das Levada-Ende und hielten über drei Monate lang Tag und Nacht Wache zwischen Wasserlauf und Kapelle. Am 21. August rückten dann 200 Polizisten an und knüppelten die Besetzer nieder. Ein Schuss fiel und die siebzehnjährige Sãozinha stürzte zu Boden. Die junge Frau war auf der Stelle tot. Die Bauern haben teuer bezahlt, aber schließlich den Kampf gegen die Willkür des Staates gewonnen. Bis heute bestimmt die Bauernkooperative auf ihren regelmäßigen Versammlungen, welches Land mit dem eigenen Levadawasser beliefert wird.

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