Ob der Nikolaus da noch helfen kann?

6. Dezember 2018

 Guter Wille wurde vom Leben bestraft

peter - Laut Polizeibericht stoppte vor ein paar Tagen ein Autofahrer in der Nähe von Santo Antonio seinen Wagen am Straßenrand. Aus Santo Antonio stammen der Fußballstar Ronaldo und andere windige Gestalten. Am Straßenrand stand eine Tramperin, der die Tür des Autos geöffnet wurde. Wie die Polizei schreibt, handelte es sich um Delfina, in Protokollen der Staatsmacht hinlänglich als Tagediebin bekannt, die sich Zutritt verschaffte. Die Fahrt wurde fortgesetzt. An dieser Stelle jedoch weist der Polizeireport eine Lücke auf. Es ist nämlich nicht klar, ob nun der Autofahrer freiwillig oder auf Grund gezielter Nachforschung seitens Delfina zweihundert Euro aus seiner Brieftasche verlor. Sicher ist nur, daß nach einer ruhig verlaufenen ersten Phase der gemeinsamen Fahrt, plötzlich die Beifahrerin solange auf den Chauffeur einschlug, bis sie zwei Hundert-Euro-Scheine in ihren Händen hielt. Der "Disput" - auch dies ein Begriff des Polizeiprotokolls - hatte zur Folge, daß der Fahrer die Kontrolle über den Wagen verlor und das Fahrzeug in das Wartehäuschen einer Buslinie krachte. Während der Fahrer nach der Kollision verdutzt hinter dem Lenkrad sitzen blieb, entwich Delfina behende mit dem Geld. Seitdem hält sie sich - auch hier die treffenden Worte des Polizeiprotokolls - an "ungewissem Ort" auf. Das heißt, die Polizei hat keine Idee, wo sie suchen soll. Dem gutwilligen Fahrer beschert das Nikolausfest gleich drei Probleme: sein Auto ist kaputt, sein Geld ist weg, und er muß sich gegenüber dem Verkehrsbetrieb verantworten, dessen Wartehäuschen beschädigt ist. Mit Sicherheit wird Delfina aufgespürt. Aber kann der Fahrer beweisen, dass sie ihn geschlagen und beraubt hat? Wenn die Dame anführt, er hätte ihr die zweihundert Euro zugesteckt in Erwartung einer Dienstleistung, die sie abwehren konnte, wird ein unparteiischer Richter mögliche Schlagspuren auf der Wange des Fahrers als Folge der Selbstverteidigung von Delfina gelten lassen müssen. So oder so, der gutmütige Fahrer verdiente einen Eintrag ins Goldene Buch vom Nikolaus.

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Parkbank

Satire

21. August 2017

Des Kaisers neue Gelder

bauna - Ian MacLough kamen die Ferien auf Madeira teuer zu stehen. Der Schotte verfluchte „the fucking English“, die alles daran setzten, das britische Pfund zu entwerten. Gerade hatte er beim Geldwechsel für seine lumpigen Pfund kaum Euro gekriegt. Mürrisch fläzte sich der Sommerfrischler auf eine Bank im Stadtgarten von Funchal, um unter einer Zeitung getarnt die paar Banknoten nachzuzählen. Den neugierigen Blicken von Betto, der auf der Nachbarbank mit seinem stinkenden Rucksack und einer Plastiktüte hockte, entging der Zählvorgang keineswegs. Der Stadtstreicher mühte sich hoch und schlich demütig mit ausgestreckter Hand zum Schotten hin. „Hasse ma nen Euro?“

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Schweizer Flagge

Geschichten aus Madeira

25. März 2015

Beim Zoll

pedro - Eine Luftfracht aus der Schweiz ist eine pikante Sache. Die Schweiz liegt zwar mitten in Europa, aber außerhalb der EU. Andersherum liegt Madeira geographisch außerhalb von Europa (der Archipel gehört geographisch zu Nordafrika), ist aber als portugiesische Insel Teil der EU.

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Volle Kraft voraus!

11. Juni 2011

Früher war das Schiff billiger als der Überlandbus

um - „Ich war damals zehn Jahre alt“, erzählt Dona Teresa. Das muss so Anfang der 50er Jahre gewesen sein. „Ich war mit meiner Tante am Kai von Ponta do Sol verabredet. Wir wollten zusammen nach Funchal fahren. Mit dem Boot – wie immer.“ Laut Fahrplan dockte das Linienschiff um sechs Uhr in der Frühe an. Der Fußmarsch von Teresas Elternhaus bis hinunter zum Meer war drei Kilometer lang. Es ging durch stockfinstere Nacht munter bergab. „Laternen gab es keine auf dem Land.“ Angst, alleine in der Hergottsfrühe? „Angst nicht. Aber unausgeschlafen war ich. Wie alle auf dem Boot, das durch die Nacht in Richtung Hauptstadt dampfte.“

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Satire: Pech gehabt, Herr Doktor!

19. Februar 2011

Portugal wäre 'ne prima Alternative

santos - Beim Minister Guttenberg ist der Wurm drin. Erst die Missgeschicke im Amt, dann Anschwärzungen von der juristischen Zunft. Aber schon in der Schule heißt es: Wer sich beim Abschreiben erwischen lässt, ist selber schuld. In Portugal wären dem Freiherrn die aktuellen Unannehmlichkeiten erspart geblieben. Denn da wird man ganz ohne Doktorarbeit zum Doktor. Portugal wäre 'ne prima Alternative

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