Im Vordergrund ein Segelboot, im Hintegrund die Gebäude der Freihandelszone bei Canical

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Vorhersehbarer Zuckerberg

1. Februar 2017

Den Rübenbauern klingen die Glocken bald weniger süß

eins - Der Zucker gilt als Volksfeind. Die weißen Kristalle sind im Visier von Ärzten, Gesundheitsministerien, des aufklärerischen Journalismus. Wirtschaftlich gesehen lässt sich mit Zucker gutes Geld verdienen. Weil er unser Leben in unzähligen Lebensmitteln versüßt und wir immer mehr davon konsumieren. Das steigert den Absatz. Bis zum Herbst 2017 hat die EU den Absatz quotiert. 85 % des europaweit verkauften Zuckers müssen von europäischen Rübenbauern stammen. Nur 15 % dürfen von außen in die EU eingeführt werden. Diese Quotierung fällt zum Oktober und bringt den Freihandelshafen von Madeira richtig in Schwung.

Dort kommen nämlich unzählige Container randvoll mit Rohrzucker aus Brasilien und Argentinien an. Dieser Zucker ist wesentlich billiger als der europäische Rübenzucker. Deshalb lässt er sich gut nach Afrika und in den Nahen Osten verkaufen, wo allerdings die chinesischen und indischen Zuckerproduzenten nicht minder aktiv sind.

Auch in der Europäischen Union findet der südamerikanische Rohrzucker Absatz. Nämlich als brauner Zucker für besondere Anlässe. Dass er so viel teurer ist als der Rübenzucker, liegt an dem extremen Einfuhrzoll, den die EU erhebt. Brasilien und Argentinien klagen seit Jahrzehnten erfolglos gegen den europäischen Protektionismus. Fiele er weg, würde sich der Rohrzucker pro Pfund um 25 Cent verbilligen. Das gilt auch für den preiswerten weißen Zucker, den man in Madeira überall kauft, er würde noch billiger. Dieses ist Originalrohrzucker, der weiß geschleudert in der Freihandelszone anlangt und nur wenige Kilometer weiter mit erheblichem Zollaufschlag in allen Supermärkten und Tante-Emma-Läden der Insel verkauft wird. Zum Rübenzucker gibt es keinen Unterschied in den Molekülen noch im Geschmack, aber im Geruch. Rohrzucker riecht – oder stinkt, je nachdem, wie man es formulieren will.

Wenn nun zum Oktober die Quotierung fällt, wird der - weiterhin zollpflichtige – Rohrzucker ungehindert nach Europa ein rieseln. Auch im Freihafen von Madeira geht dann „die Post ab“. Es wird allgemein zum Überangebot kommen, und der Zuckerpreis wird europaweit sinken. Das macht Kinder froh und Erwachsene ebenso, und Haribo kann die Preise halten oder sogar kürzen. Was die Gesundheitsapostel sagen, ist ein anderes Thema, an dem man in der Freihandelszone Madeiras sicher kein Interesse hat.

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