Schmuggelpfade

27. Oktober 2016

Wie Madeiras wilde Kerle ums Feuerwasser kämpften

eins - Das erklärte Ziel des Militär-Regimes war, für Ordnung in Portugal zu sorgen. In diesem Sinn wurde 1927 die Schließung von 34 madeirensischen Brennereien verfügt. Nur wenige der Fabriken mit den hohen Schornsteinen durften weiterarbeiten. Tatsächlich tranken Bauern und Tagelöhner, Bauarbeiter und Handwerker mehr als gut war. Die behördlich verfügte Drosselung der Rumproduktion rief bei den Männern mit den durstigen Kehlen Unbehagen hervor. Die dem Aguardente-Verpflichteten – „aguardente“ ist Rum auf portugiesisch – fanden notgedrungen Wege, die disziplinierende Verknappung zu unterwandern.

Und das bedeutete: Wandern auf geheimen Wegen. Fortan waren bärtige Männer auf Schmuggelpfaden unterwegs, mit Fässern von 50 Litern Schwarzgebranntem auf den Schultern. Ihre Wege verliefen von Nord nach Süd und waren in der Regel 25 km lang. Sie führten querfeldein, durch Wälder, über Kämme und durch Schluchten.

Wer selber brannte, tat das abseits vom Wohnort. Die Furcht vor den forschenden Augen der Guarda Fiscal – der Gendarmerie des Regimes – aber auch Angst vor eventueller Denuntiation durch Nachbarn – veranlasste Schwarzbrenner, entlegene Heuschober oder Grotten für ihr weithin riechbares frevelhaftes Tun zu wählen. Das Destillat wurde in große Behälter abgefüllt, und dann kamen die vollbärtigen Träger, um über die „Rota do Contrabando“, die Schmugglerroute, schwerbeladen auszuschwärmen. Zwischen Seixal und Porto Moniz an der Nordküste sowie Ponta do Sol an der Südküste herrschte generell ein reger Handel von Agrarprodukten im Direkttausch. Bananen aus dem Süden gegen Weintrauben aus dem Norden zum Beispiel. Dazu kam ab 1927 der Schwarzhandel, mit dem fleißige Schwarzbrenner einen zusätzlichen Gewinn erzielten.

Die auf dem Foto abgebildete Flasche wurde leer auf einem verwilderten Feld in Canhas gefunden. Sie stammt aus den 60er Jahren, und zwar aus der legalen Rumproduktion der Fabrik von Calheta, die es heute noch gibt. Die Marke hieß „Pantera“, wie man dem Schriftzug oberhalb des Etiketts entnimmt. Der Schwarze Panther, so wurde in den 60er Jahren Portugals Fußballidol Eusébio genannt – wegen seiner katzenartigen Geschmeidigkeit beim Spiel. Eusébio kam aus der portugiesischen Kolonie Mosambik nach Lissabon und war einer der ersten schwarzen Fußballer in Europa. Sein Ruhm gab dem Feuerwasser aus Calheta den Namen und hat gewiss den Bauern, die die Schnapsflasche vor fünfzig Jahren bei der Feldarbeit leerten, die Kraft eines schwarzen Panthers verliehen.

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