Am 20. Februar prasselte Regen ohne Ende auf die Atlantik-Insel nieder. Wassermassen stürzten zu Tale und rissen Felsbrocken, Bäume, Autos, Häuser, auch Menschen mit. Unzählige der für Madeira typischen Wasserkanäle („Levadas“) brachen. Die Bauern, die zur Bewässerung ihrer Ländereien von den Kanälen abhängen, machten sich auf einen trockenen Sommer gefasst, und die Touristen sahen ihre schönen Levada-Wanderrouten verloren. Das war vor einem halben Jahr. Inzwischen heißt es längst bei fast allen Levadas: Wasser marsch!
Ostereier suchen? Das macht auf Madeira überall Spaß und die üppige Vegetation bietet zahllose Verstecke. Der jüngst eingeweihte Wanderweg zum Fanal, noch wenigen bekannt und in wenigen Wanderführern beschrieben, ist ein besonders attraktives Ziel für den Osterspaziergang auf Madeira.
Urlaub auf Madeira ist für viele Reisende Wanderurlaub. Wie sieht es damit nach dem schweren Unwetter aus?
Regen und Stürme haben zu Weihnachten und zum Jahresbeginn Wildwasser und Erdrutsche provoziert. Bäume wurden entwurzelt, Wege sind weggebrochen, Geländer und Drahtseile abgerissen. Ein riesiger Wassertank schlug leck und entleerte in einem Schwall Millionen von Litern Trinkwasser in die Gebirgsbäche.
Nur wenige Wanderungen auf der Nordseite Madeiras finden sich in den einschlägigen Wanderführern. So ist die Levada Fajã de Rodrigues recht unbekannt – obwohl sie gerade aus dem Süd-Westen gut zu erreichen ist. Sie führt den Wanderer zum „Höllenfluss“ - Ribeira do Inferno, einer tief eingeschnittenen Schlucht, durch die ein Wasserfall stürzt.
An einem trüben Wintertag mit schwachem Südwestwind, der Regen oder Wolken über Calheta und Ponta do Sol legt, lohnt sich die kurze Fahrt durch den Tunnel unter dem Encumeada-Pass. Ist der Wind nicht zu stark, sieht es jenseits des Tunnels vielleicht schon viel freundlicher aus. Etwa auf der halben Strecke bis São Vicente geht es links ab Richtung Lamaçeiros und Ginhas (ER 108).
Ribeira do Natal, Weihnachtsflüsschen, heißt ein Bach westlich der Ortschaft Caniçal, ganz im Osten Madeiras.
Kein Ziel könnte in den Tagen um Weihnachten passender sein für einen kleinen, gemütlichen Spaziergang oder eine etwas längere Wanderung.
Einzigartig sind die Wanderwege entlang der Levadas auf Madeira. Die Bewässerungskanäle haben in der Regel so wenig Gefälle, dass man nicht spürt, ob man in Fliessrichtung läuft oder dagegen – natürlich kann man es im Wasser sehen. Stundenlang und fast ohne zu ermüden folgt man dem Wasserlauf und durchquert die schönsten Landschaften. Ein Levadaweg ist schmal, manchmal nur ein Mäuerchen, und er ist vor allem ein Wirtschaftsweg: Der Levada-Wärter, der Levadeiro, nutzt diesen Weg, um den Wasserkanal instand zu halten. Ein kleinerer oder größerer Erdrutsch kann den Kanal verstopfen, die Mauer kann brechen und durchlässig werden, ein Strauch kann ins Wasser stürzen oder auch nur hineinwachsen – der Levadeiro hat stets genug zu tun. Gelegentlich muss eine Levada auch komplett erneuert werden. Dann wird sie für Wanderer gesperrt, damit die Wanderer nicht gefährdet sind und die Arbeiten in Ruhe ausgeführt werden können. Dies ist im Moment an zwei Stellen auf der Insel der Fall: an der Levada da Portela im Nordosten und an der Levada Nova im Südwesten. An beiden Levadas gibt es Ausweichmöglichkeiten für die Wanderer.
Die Staffelei in der Wiese gehört den Aquarell-Malern. Auf der sonnigen Terrasse durchforstet eine Dame einen Stapel neuerer Literatur. Im solar-beheizten Schwimmbecken zieht ein Mittvierziger eisern seine Bahnen. Im Blick abwechselnd Berge, Meer und die Sonnenanbeterinnen auf den Liegen am Beckenrand. Währenddessen plaudern zwei Naturliebhaber in der Kaminecke beim Kaffee. Szenen aus der Quinta Alegre. Auf siebentausend Quadratmetern Haus, Garten und Park findet jeder der maximal 43 Gäste seinen Platz. Die Hotelarchitektur ist transparent. Hinter dem gläsernen Portal öffnet sich ein großer Raum, aus dem verschiedene Facetten des Hotellebens erwachsen: Rezeption und Beratung, Essen und Trinken, Aufstieg ins Private, Verweilplätze und ein Ausgang auf Terrasse, Wiese und zum Pool.
Als Wandertour beginnt die Levada dos Piornais inmitten der Inselhauptstadt. Und ist darum gerade von der westlichen Hotelzone aus leicht zu erreichen. Vermutlich ist das der Grund, warum bis heute einige Reiseführer diese Levada an erster Stelle empfehlen.
Das Wandergebiet beim Forsthaus Rabaçal ist berühmt. Der zum Weltkulturerbe zählende Lorbeerwald Madeiras zeigt sich hier in voller Pracht. Das Wasser der Levadas ist kühl und klar, die Levadawege sind von Lorbeerbäumen und Baumheide, Waldheidelbeeren und unzähligen Flechten gesäumt. Geradezu andächtig lustwandelt man durch das ursprüngliche Waldgebiet und erkennt den enormen Wasserspeicher, der Madeira so grün macht.
Doch vor dem Vergnügen wartet die Arbeit, in Rabaçal in Gestalt des etwas lästigen Weges über die schmale Asphaltstraße, die vom Parkplatz auf dem Paul da Serra zum Forsthaus führt. 30 – 45 Minuten dauert der Fußweg, und danach geht das Wandern ja erst eigentlich los. Die Stadtverwaltung von Calheta sorgt hier glücklicherweise für eine komfortable Lösung: Ein Shuttle-Bus fährt vom Parkplatz hinab ins Tal.
Levadawandern auf Madeira bedeutet für gewöhnlich: nach halber Strecke umkehren. Einige Wanderer genießen den Luxus, am Ausgangspunkt ausgesetzt und am Endpunkt abgeholt zu werden. Für den Transport zahlt man nicht schlecht. Wer das Geld sparen und trotzdem nicht auf halbem Weg umkehren will, kann über eine Verbindungsstrecke zwei Levadas zu einem Rundweg kombinieren.
Außer Kraft und einem regulären Busfahrschein kostet es nichts. Ein jeder ist willkommen bei den nichtkommerziellen „Amigos Da Natureza“. Die Naturfreunde (so die Übersetzung) verlangen lediglich, daß der einzelne Wandersmann für sich selbst die Verantwortung übernimmt. Zum Beispiel wenn es in vier Stunden von Null auf 1400 Meter Höhe hinaufgeht und danach ein atemberaubender Abstieg folgt. Da müssen Herz und Lunge, Waden und Oberschenkel, Füsse und Schuhwerk vollauf in Ordnung sein. Sonst macht’s keinen Spaß.
Die Autorin verbrachte im Frühjahr 2004 Ferien im Südwesten Madeiras. Zu Hause in Südbaden schreibt sie Gedichte und Prosa. Themen sind hauptsächlich Landschaften und Menschen. Außerdem betreibt Claudia Richter den kleinen Verlag mauvaiseherbe. (http://www.mauvaiseherbe.de)
Im Juli erscheinen zwei neue Bücher: "Unentdeckte Schätze im Markgräflerland, Eine Liebeserklärung" und "Mosaiksteinchen, Gedichte und Fotos".
2200 Kilometer Spazier- und Wanderwege entlang der Wasserkanäle Madeiras: Für die Meisten sind die Levada-Touren eine Lust, für Manche ein Greuel.
Überwucherndes Brombeergestrüpp und ein verheerender Erdrutsch nach ausgiebigem Regenfall – damit war der Levadapfad während vieler Monate unpassierbar geworden. Doch fleissige Levadaarbeiter schufen im Frühjahr Abhilfe. An unzähligen Stellen sicherten sie den Boden nachhaltig und die dornigen Brombeersträucher sind einstweilen beschnitten. Kaum ein Einstieg ist so leicht zu finden, wie der zur alten Levada von Ponta do Sol. Deshalb dürfte der Wanderweg am Hang des recht unbekannten Talkessels von Ponta do Sol in diesem Sommer ein „Renner“ werden.