Altstadtgasse
In der Altstadt von Funchal wird das erste "gay-friendly-hotel" der Insel entstehen.

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Neue Strategie im Tourismus

18. Februar 2019

„gay friendly" heißt das Zauberwort

sts - Madeira will sein Image bei Urlaubern in aller Welt aufpolieren: „gay friendly“ soll zu einem neuen Etikett der Insel werden. Ein Schritt auf diesem Weg ist die Eröffnung eines Hotels in Funchal, für das sich die IGLTA stark macht – die International Gay and Lesbian Travel Association, eine Organisation mit Sitz in den USA (Fort Lauderdale) und Anbindung an die UN World Travel Organization. Das Hotel wird 88 Zimmer haben und in der Rua Bela de São Tiago entstehen, in der Altstadt Funchals. 

Als plötzliche Kehrtwendung bezeichnet der Diário de Notícias diese Tourismus-Strategie. Die Regierung Madeiras habe sich stets als konservativ und homophob gezeigt, die Ablehnung homosexuell lebender Menschen war an der Tagesordnung. Nun wolle man offenbar Frieden mit den Minderheiten machen. Der Vizepräsident Madeiras will „eine Kultur der Toleranz fördern“. Pedro Calado wird mit den entsprechenden touristischen Vereinigungen – wie der IGLTA – Vereinbarungen über Zusammenarbeit treffen.

Ob die neue „Strategie“ den Tourismus Madeiras deutlich ankurbelt, mag man in Frage stellen. Unter deutschen Madeira-Urlaubern jedenfalls gibt es längst ebenso selbstverständlich homosexuelle und lesbische Männer und Frauen, die allein oder mit ihrem Partner bzw. ihrer Partnerin die Insel besuchen. Sie hängen sich kein Schild um, das über ihre sexuelle Orientierung informiert, und machen ebensowenig Aufhebens davon wie heterosexuell lebende Urlauber. Die Zimmermädchen im Hotel haben sich daran gewöhnt, dass zwei gleichgeschlechtliche Personen in einem Doppelzimmer manchmal verliebt oder gar verheiratet sind, und nicht Schwestern oder Brüder. Reinigungskräfte im Ferienhaussektor bestehen auf ihrer Erfahrung, dass homosexuelle männliche Paare die Ferienhäuser sauberer verlassen als heterosexuelle oder lesbische Paare. Das bedeutet weniger Arbeit - und so sind die Männer gern gesehene Gäste, sei das nun ein Vorurteil oder nicht!

Mögen also Vereinigungen wie die IGLTA möglicherweise eine Art „Nischen-Tourismus“ verstärken - das Label „gay friendly“ ist im Grunde nur eine neue Übersetzung für „guest friendly“ - Gäste sind willkommen! Nichts anderes erwartet man auf einer Insel, die weitestgehend vom Tourismus lebt.

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