Paul do Mar von Jardim do Mar gesehen

Paul do Mar von Jardim do Mar gesehen

Druckansicht

Weihnachtstragödie auf Madeira

28. Dezember 2018

Bei der Rettung eines Touristen ist der Retter ertrunken

eins - Es geschah am Dienstag, dem 25. Dezember, um 16 Uhr in Paúl do Mar. Ein Tourist nahm ein Bad im Meer vor dem Fischerdorf an der Südwestküste. Das Wasser hatte eine Temperatur von 20°, die Wellen waren hoch und kräftig. Einheimische standen in Gruppen am Strand und genossen den sonnigen Weihnachtstag. Plötzlich hörten sie Hilferufe aus dem Wasser.

Der Tourist rang mit den starken Wellen. Ihn hatte offenbar seine Kraft verlassen, und er drohte unterzugehen. Da löste sich ein Mann von vierzig Jahren aus den umherstehenden Gruppen und sprang dem Gefährdeten mit einem Rettungsboard zu Hilfe. Der Mann, ein professioneller Taucher, schwamm behend in den Fluten. Es gelang ihm, den Entkräfteten an Land zu ziehen. Doch dann begann die Tragödie. Die starke Brandung riß den Retter, der bei den Einheimischen „Held des Meeres“ hieß, zurück ins Meer. Die Kraft der Wellen war gigantisch, und urplötzlich war der Retter selbst in Lebensgefahr. Ein Freund sprang in die Fluten, um ihm herauszuhelfen. Beide Männer kämpten aus Leibeskräften mit der Macht des Meeres. Ein Kanu mit zwei Mann Besatzung wurde zu Wasser gelassen. Unter widrigen Umständen gelang es den beiden Kanuten, den Berufstaucher an Bord zu hieven. Er hatte inzwischen das Bewusstsein verloren. Den Kanuten brach ein Paddel. Mit letzter Kraft erreichten sie den kleinen Hafen von Paul do Mar. Dort wartete bereits der Notarzt und begann mit der Reanimation des Bewußtlosen. Inzwischen war ein weiterer Mann ins Meer gesprungen: Der schweizer Tourist, Hobby-Windsurfer, hatte die Szene mit seiner Familie von Land aus beobachtet. Schwimmend erreichte er den Freund des Tauchers, der im Meer trieb. Mit vereinten Kräften erreichten beide Männer den Strand. Der Notarzt versuchte 45 Minuten lang den Retter wiederzubeleben. Dann brachte eine Ambulanz den Bewußtlosen ins Zentralkrankenhaus von Funchal. Der „Held des Meeres“ ist nicht mehr aufgewacht.

Die Madeira-Zeitung war nicht Augenzeuge des Unglücks. Alle Informationen entnahmen wir der Presse.

Die Einheimischen schütteln traurig den Kopf. Der tragische Tod in Paul do Mar ist kein Einzelfall. Immer wieder setzen Menschen auf Madeira ihr Leben aufs Spiel um anderen zu helfen, die sich womöglich unwissend in eine große Gefahr gebracht haben. Wie schnell aus dem scheinbar lieblich blauen Meer Wellen von ungeheurer Kraft auftauchen, können Auswärtige nur schlecht ermessen. Die Insel hat wohl kleine Strände, liegt aber mitten im offenen Ozean. Erfahrene Segler wissen, was einen erwarten kann. Einige wenige Internet-Wetterseiten warnen, dass auch bei niedrigem Wellengang zumindest die dreifache Höhe einige Male pro Stunde durchaus normal ist. Erfahrene Schwimmer, die man fragen könnte, trifft man an Madeiras Stränden und Badestellen selten an. Für die Einheimischen ist Badesaison von Juni bis August.

Leserbriefe

Keine Leserbriefe vorhanden