Teil der katalonischen Flagge

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zack-zack ausliefern?

4. April 2018

Gedanken einer Auswanderin zur Entwicklung um Carles Puigdemont

Die Madeira-Zeitung gibt im Folgenden - selten genug - einen Meinungsartikel wieder. Wir tun dies, weil das Leben im fremden Land die Einstellung zum Vaterland, zum Mutterland, zur Heimat beeinflusst. Die Redaktion würde sich freuen, die Meinung der Leserinnen und Leser zu erfahren!

cro -„Zack-zack“ sind die Deutschen, pünktlich und korrekt. Als Auslandsdeutsche auf Madeira gereichen einem diese deutschen Tugenden nicht immer zum Stolz auf das Vater- oder Mutter-Land. Wegen der Vorrangstellung der deutschen Wirtschaft und Politik blicken Einheimische jeglicher Couleur mit skeptischem Respekt auf Deutschland, Kanzlerin Merkel – und auch auf Residenten und Touristen mit deutschem Pass.

Während junge Madeirenser über die deutsche Genauigkeit gern noch einen augenzwinkernden Scherz machen - „wenn du dich mit einem Deutschen verabredest, solltest du eine halbe Stunde später ausmachen – der kommt garantiert pünktlich!“ - wird es in den letzten Tagen nicht mehr ganz so scherzhaft, und die Frage an die Deutschen lautet: „Müsst ihr denn immer alles so korrekt machen?“

Gemeint ist die womöglich bevorstehende Auslieferung von Carles Puigdemont an Spanien. Dänemark, nicht eben als Ausbund an mediterranem „Mañana“ bekannt, hat den katalanischen Rebellen nicht „erwischt“. Oder hat man ihn einfach passieren lassen? Die Deutschen aber haben zugegriffen. Korrekt, pedantisch, schnell.

Als Einwanderin auf der Blumeninsel wünschte man sich ein bisschen mehr „Laisser-faire“ der deutschen Gerichtsbarkeit bei dieser besonderen, sensiblen Angelegenheit. Rechtsverstöße sind Rechtsverstöße und müssen geahndet werden. „Gefahr im Verzug“ gab es für Deutschland aber wohl kaum. Einen Moment lang die Entwicklung beobachten und politische Lösungen sich entwickeln lassen, wäre denkbar gewesen. Rechtsprechung im übernächsten statt im nächsten Moment, warum eigentlich nicht. Ein etwas langsameres Tempo kann man auf Madeira lernen.

Leserbriefe

Dr. Doris Kiekeben 06.04.2018 15:15

Das Leben in Deutschland ist reglementiert und läuft nach Vorschrift ab. Es gibt zwei Kriterien, auch in der Wissenschaft, der ich zu dienen versuche: um Status, Ansehen und Reputation oder um Geld. Dahin gehört auch das Problem mit dem \\\"bösen\\\" Aufwiegler aus Spanien (so etwas kann man nun in Deutschland überhaupt nicht tolerieren). Nun sehen wir am heutigen Tage, daß des Volkes Stimme in Deutschland wohl geteilt ist: Man hat auch richterlicherseits so entschieden (das ist zunächst einmal positiv) .
Von Leben und Leben lassen (\\\"laisser faire\\\") ist im neoliberalen, profitorientierten , vermeintlich gutmenschlich agierenden Merkel-Staat und seinem funtionierenden Apparat kaum noch etwas zu zu spüren. Die \\\"Wende\\\" ist vorbei und ausgeträumt, aber es gibt hier immer noch tolle Leute, glaubt mir....

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