Sturzbach
Ein Rinnsal wird zum Sturzbach

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Wo bleibt denn nur der Frühling?

6. März 2018

Acht Jahre nach der Regenkatastrophe raste ein Orkan über die Insel

eins-Eigentlich zieht mit dem Karneval der Frühling auf Madeira ein. Aber ab dem 25. Februar verdüsterte sich der Sonnenhimmel und der Wind fing an tüchtig zu blasen und dann zu fauchen. Alle reden fassungslos über das nicht enden wollende Unwetter. Selbst ein erfahrener Orthopäde unterbricht die Untersuchung seiner Patientin in einer Klinik von Funchal: „Einen so starken Wind über so lange Zeit – Tag und Nacht. Das habe ich noch nie erlebt. Ich war am Wochenende an der Praia Formosa (das ist der Badestrand von Funchal, d. Red.). Es war ein bedrohliches Schauspiel. Da weiß selbst der Arzt nicht weiter.

Mit 160 km/h hatte der Orkan seinen Spitzenwert. Eine der verheerenden Folgen: Am 18. Februar wurden an der Südküste 11 Meter hohe Wellen gemessen. Mit unbändiger Kraft überspülten sie die Buchten und Strände von Machico bis Porto Moniz.

Die Rathäuser von Câmara de Lobos und Calheta summieren Schäden in Höhe von zwei Millionen Euro. In Câmara de Lobos wurde der Anleger für die Fischerboote arg ramponiert. In Calheta haben die Wellen den massiven Schutzwall aus Betonquadern vor dem Badestrand in Einzelteile zersprengt. Strandbars und Restaurants an allen südlichen Küstenstreifen wurden überflutet. Naturstrände sind mit Brocken oder Baumstämmen übersät oder ganz einfach weggespült. In 300 Haushalten fiel zeitweise der Strom aus, zwölf Menschen verloren beim Sturm ihr Dach über dem Kopf. Insgesamt zählt der Zivilschutz 171 sturm- und wasserbedingte Schäden teils erheblichen Ausmaßes.

In der Küstenzone legte der Sturm reihenweise Bananenstauden um. Treibhäuser konnten nicht standhalten. Der heftige Wind zerfraß den Freilandanbau von Obst- und Gemüse. Sachverständige des Crédito Agrícola (eine Art genossenschaftliche Bank für Landwirte) sprechen von einer Jahreseinbuße zwischen 20 und 30 Prozent in der Landwirtschaft. „Wer weiß, ob wir von der Versicherung was erstattet bekommen“, murren die Bauern. Verzweiflung macht sich breit unter den Madeirensern. Und auch die Touristen zeigen besorgte Minen. Sie waren der klirrenden Kälte Mitteleuropas entflohen und erleben warmen Wind und Regen im Überfluß. Eine Wetterbesserung ist für das Wochenende ab dem 11. März angekündigt.

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