Käfige für die Fischmast
Fischmast-Käfige vor Arco da Calheta

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Fischzucht oder Fischfang?

16. September 2017

Madeira verfolgt beide Optionen

eins - Der Fürst von Monaco hat Anfang August die Insel besucht. Aus seinem Kleinstaat brachte er eine große Vision mit. Prinz Albert II rief dazu auf, die Weltmeere als Lebenspartner zu behandeln. Die madeirensischen Offiziellen klatschten Beifall, steht doch ein großes Areal vor der Küste unter Naturschutz. Doch gleichzeitig betrachtet Madeira den Atlantik vor der Tür als Industriegebiet.

Vor wenigen Monaten siedelte sich an der Südküste die dritte Fischmastanlage an. Die Doraden in den Meereskäfigen gedeihen prächtig. Denn ihnen droht kein äußerer Feind, und da das Fressen vors Maul geworfen wird, verbrauchen sie wenig Energie, sodass sie sich gut und schnell entwickeln. Das Geschäft mit der Fischzucht scheint lukrativ. Darum sind weitere schwimmende Mastanlagen geplant, sogar von Tunfisch-Haltung in Unterwasserkäfigen war schon die Rede.

In Calheta formiert sich Widerstand gegen die Fischmastanlagen. Eine Gruppe von Naturschützerinnen hat eine Unterschriftenaktion ins Leben gerufen. In ihrem Schreiben, das sich an Inselregierung, Rathaus und Küstenschutzpolizei wendet, weisen die Initiatorinnen darauf hin, dass für die Produktion von einem Kilogramm Zuchtfisch vier bis fünf Kilogramm „Wildfisch“ verfüttert werden muss. Dieses Futter – zu Fischmehl-Futterpellets weiterverarbeitet – enthalte nicht selten Pestizide. Außerdem werden den Zuchtfischen Antibiotika verabreicht, um sie in ihrer begrenzten Lebenswelt vor Krankheiten zu bewahren. Die Folge sei, so die Umweltschützerinnen, dass dem Speisefisch aus industrieller Mast das wertvolle Omega-3 fehle.
Doch nicht jede Aqua-Farm ist eine „Dreckschleuder“, wie das Magazin GEO im Augustheft 2017 behauptet. Mitten in Berlin sei eine auf Nachhaltigkeit orientierte Zucht von Buntbarschen entstanden. „Die Ökofarm im Bezirk Schöneberg produziert nicht nur dreißig Tonnen Fisch pro Jahr, sondern düngt mit den Ausscheidungen der Tiere auch noch die Beete des firmeneigenen Gewächshauses. Darin gedeihen Tomaten, Kräuter und Salat.“ Es geht offenbar auch anders. Doch die Frage ist: Benötigt Madeira mit seinem wogenden Meer ringsum eigentlich eine industrielle Fischmast?

Die Tageszeitung Diario de Notícias berichtete am 2. September von Rekordzahlen des konventionellen Fischfangs für das Jahr 2017. Die Fischereiflotte Madeiras umfasst hundert große und kleine Boote, auf denen 600 Fischer zu Werke gehen. Diese Leute holten bis Ende Juni 2017 21 Prozent mehr Fische aus dem Wasser als im vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Anders ausgedrückt: Bis Ende Juni zogen die Fischer bereits achtzig Prozent des Gesamtfangs von 2016 an Bord. Es scheint, dass durch Fangquotierungen bei Überfischung die Bestände von selbst und auf natürliche Weise wieder anwachsen. So war nach dem Jahr 2000 der berühmte Espada (Schwarzer Degenfisch) in Madeira so rar geworden, dass man ihn gar von den Azoren einführen musste. Der Espada erhielt daraufhin Jahre der Schonzeit und ist nun wieder zahlreich vertreten. Viereinhalb Tausend Tonnen wurden im ersten Halbjahr gefangen, ein Plus von 21 Prozent gegenüber 2016. Der Thunfischfang legte mit einer Steigerung um fast 38 Prozent ein Rekordergebnis hin. Diese Ergebnisse zeigen, dass dem konventionellen Fang genug Fische ins Netz gehen und bei besonnener Quotierung Bestände sich erhalten oder sogar regenerieren.

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