Markt

Kundin probiert Papaya auf dem Markt

Mercado dos Lavradores

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Geht doch!

5. August 2019

Wie ein verärgerter Kunde auf dem Markt sein Geld zurückerhielt

sts - Abzocke im Markt – und das gleich am ersten Urlaubstag. Pascal G. war so verärgert, dass kein Lorbeerwald, kein Wasserfall und kein noch so leckeres „Espadafilet mit Banane“ ihn mehr ablenken konnten. Hatte er doch im Markt von Funchal für eine ihm unbekannte Frucht fast 20 Euro auf den Tisch gelegt.

Alles war sehr schnell gegangen, fünf andere exotische Obstsorten standen auf seinem Kassenzettel, und zum Schluss eben 480 Gramm „Fruto delicio“ also „leckeres Obst“, für EUR 19,10. Es handelte sich dabei um die Frucht der Monstera, die in Deutschland als "Fensterblatt" auf der Fensterbank steht (dort aber keine Früchte trägt). Manche nennen sie auch "Ananasbanane", wegen der Form und des Geschmacks, mit beiden Früchten hat sie biologisch betrachtet nichts zu tun. Sehr exotisch und wirklich lecker, im Markt zum Probieren künstlich zur Reife gebracht. Die verkaufte Frucht wird allerdings (außer im November) nie reif, und nach drei, vier Wochen von den Käufern weggeworfen. Zwanzig Euro für ein halbes Kilo Abfall, das nannte Herr G. Betrug. Er machte sich kundig, wie er sein Geld zurückerhalten könnte.

„Aussichtslos“, das war zunächst überall die einhellige Meinung, bei der Hotelrezeption wie auch in der Redaktion der Madeira-Zeitung. Anzeige beim Verbraucherschutz oder in der Touristeninformation? Vielleicht sinnvoll für zukünftige Käufer, nicht aber, um das Geld zurückzubekommen.

Im gemeinsamen Gespräch findet sich manche Lösung, und so erinnerte sich die Redakteurin der Madeira-Zeitung an das viel gelobte und viel diskutierte Instrument des Beschwerdebuches – Livro de Reclamação. Nicht vorrangig für Touristen entwickelt, aber auch diesen zugänglich! Jede noch so kleine Bar, jedes Hotel, jedes Geschäft und überhaupt jeder, der Geschäfte mit Publikumsverkehr betreibt, muss ein solches Beschwerdebuch dem Kunden auf Verlangen aushändigen. Der Hinweis in weisser Schrift „Este estabelecimento possui livro de reclamações“ auf einem großen, weinroten Kreis hängt gut sichtbar an fast jeder Kasse. Die Handhabung ist bürokratisch, aber direkt an Ort und Stelle umzusetzen: Der Kunde schreibt seine Beschwerde mit der Hand in portugiesischer oder englischer Sprache auf eine Seite des Buches, gleich mit zwei Durchschriften. Ein Exemplar behält der Kunde, eines der Händler und eines geht geht an die zuständige regionale Behörde. Innerhalb von 14 Tagen muss der Händler (Hotelier, Ausfluganbieter usw.) die Reklamation bearbeiten und nicht nur dem Kunden, sondern wiederum der Behörde Auskunft darüber erteilen.

Der verärgerte Herr G. begab sich wiederum in den oberen Stock der Markthalle und verlangte das Beschwerdebuch. Der Händler verlor auf wundersame Weise in Sekundenschnelle sämtliche Englischkenntnisse, doch suchte umständlich nach dem Buch und händigte es aus. Noch bevor Herr G. mit dem Schreiben beginnen konnte, hielt man ihm einen zehn-Euro-Schein vor die Nase. Herr G. akzeptierte, nahm das Geld, und der Madeira-Urlaub konnte beginnen.

Das Reklamationsbuch gibt es auch online: https://www.livroreclamacoes.pt/inicio

Man benötigt seinen Pass oder Personalausweis, um sich auszuweisen, sowie Namen und Anschrift des Geschäftes, über das man sich beschweren will. Ein umständlicher Vorgang, den der Kunde nur dann auf sich nimmt, wenn der Ärger wirklich groß ist.

Einfacher ist es, schon bei Einkauf auf jegliche Abzocke zu achten. Der obere Stock der Markthalle ist bekannt für solches Geschäftsgebaren, ebenso manche Obst- und Souvenir-Stände an beliebten Auskunftszielen auf der Insel. Bevor man bezahlt, sollte man immer vergleichen, ob es tatsächlich das war, was man haben wollte, und ob man diesen Preis bezahlen will. Insgesamt wird man als Tourist auf Madeira nicht „ausgenommen“, nicht betrogen, sondern ehrlich und freundlich bedient. Das Beschwerdebuch wird sicherlich dazu beitragen, dass das auch in Zukunft so bleibt.

Anmerkung der Redaktion: Die Fotos wurden bereits vor langer Zeit aufgenommen. Alle dargestellten Personen waren mit dem Fotografieren einverstanden. Sie haben absolut nichts mit der im Artikel beschriebenen Geschichte zu tun.

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