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Miguel Albuquerque

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Brennpunkt BREXIT

6. Juni 2019

Informationsbüro für Brexit-Betroffene

eins - Portugal und England – das war immer ein dickes Ei. Von der demonstrativen Einheit gegen Napoleon bis zur heimlichen Allianz gegen Hitler. Unzählige Portugiesen schuften in England für gutes Geld, wie sie meinen. Unter ihnen eine stattliche Anzahl von Madeirensern. „Was wird aus uns, wenn der Brexit kommt?“, lautete die bange Frage an Madeiras Regierungspräsidenten, der Anfang Juni mit tausend Madeirensern in London zu Abend aß – so der Bericht der Tageszeitung „Diário de Notícias“.

Krankenschwestern aus Madeira sind bestens ausgebildet, hoch motiviert und immer freundlich. England hat ein öffentliches Gesundheitssystem ähnlich dem in Portugal. Da paßt alles zusammen. Deshalb sind Krankenschwestern aus Europas Südwesten auf der britischen Insel gepriesen und beliebt. 

Marcelo war Fahrer bei der Stadtverwaltung Calheta. Jetzt arbeitet er für einen wesentlich höheren Lohn in einem Restaurant auf dem Flughafen Gatwick. Die Schicht beginnt früh um zwei Uhr. Das Team besteht ausschließlich aus Madeirensern. Welcher Engländer wäre bereit, seine Nachtruhe zu opfern?

Fernando ist aus Venezuela mit Frau und zwei kleinen Töchtern in die Heimat seiner Eltern geflohen. Auf Madeira hat er keine Arbeit gefunden. Da hat er als Putzmann in London angefangen. Dort reinigt Fernando die Filialen von McDonald`s. Glücklich scheint er nicht mit dem Job, aber das Geld stimmt.

„Ich rechne nicht mit dem Brexit,“ sagte Miguel Albuquerqe sinngemäß bei dem Abendessen mit der madeirensischen community in London. Doch vorsichtshalber versprach der Regierungspräsident von Madeira seinen Landsleuten in der Ferne Hilfe und Beratung bei allen bürokratischen Formalitäten im Falle eines Brexits. Im Bürgeramt von Funchal soll ein „Brexit-Büro“ eingerichtet werden, das Madeirenser, die nach England ausgewandert sind, im Falle des Falles berät und unterstützt. Neben der persönlichen Konsultation kann man auch Telefon oder per mail Hilfe aus der Heimat erhalten.

Es ist nicht damit zu rechnen, dass die Engländer die treuen Portugiesen einfach „rausschmeißen“. Aber Sorgen machen sich eben doch alle.

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