Chao dos Louros

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Wandern auf Madeira - ein Kinderspiel?

1. Juni 2019

Wie man eine Notruf-Situation vermeidet

sts - Sechzehn Stunden hatte die Bergwacht erfolglos gesucht, dann meldeten sich die beiden Wanderer schliesslich wieder am Telefon – sie hatten endlich einen Weg ins Tal gefunden. Gerade ein Monat war verstrichen, dass die Bergwacht nach einem Notruf zwei Wanderer in einem Tal voller Wiesen und Unterholz ausfindig machte. Sie hatten den Wanderweg verlassen, um schneller zum Auto zurückzukommen.

Wandern auf Madeira ist eigentlich ein Kinderspiel. Auf der Insel im Atlantik gibt es leichte Wege für Anfänger, Nachmittagstouren für erfahrenere Wanderer und anspruchsvolle Wege für Wanderer mit allerbester Kondition. Alles in Wanderführern beschrieben und oft sogar gut ausgeschildert. Wie kommt es, dass Wanderer sich dennoch verlaufen und gar die Nacht in der freien Natur verbringen müssen?

Wer auf Madeira unterwegs ist, wandert (oder spaziert!) im Gebirge, gar im Hochgebirge. Es geht keinesfalls rund um den Stadtparkteich, auch wenn die vielen Blumen unter strahlend blauem Himmel das glauben machen möchten. Gerade weil die Insel so steil ist, ändert sich das Wetter häufig sehr schnell. Man steigt aus dem Auto und trägt Sonnenschutz auf, nach einer Viertelstunde läuft man im dichten Nebel. Auf GPS-Daten allein sollten sich ungeübte Wanderer nicht verlassen. 

Vier einfache Grundregeln, damit man den Notruf 112 nicht anwählen muss:

Wanderschuhe anziehen

Sandalen und Flip-Flops sind auf jeden Fall ungeeignet, aber auch normale Straßenschuhe reichen nicht aus. Die Schuhe sollten ausdrücklich zum Wandern auf unebenem, manchmal rutschigen Grund geeignet sein. Knöchelhoch ist noch sicherer, auch wenn das im Sommer manchmal etwas warm wird.

Ausrüstung mitnehmen

In den Rucksack gehören eine gefüllte Wasserflasche, etwas zu essen, eine warme Jacke oder Pullover, eine Taschenlampe und das aufgeladene Handy (aber Achtung: hohe Felswände oder Tunnel verhindern den Handy-Empfang!), ein Wanderführer und eine gute Karte

Auf dem Weg bleiben

Abkürzungen erweisen sich als grandioser Umweg. In Farn und Unterholz sieht man Spalten oder Löcher nicht, und die Orientierung geht einem verloren, wenn man vor lauter Lorbeerbäumen den Wald nicht mehr sieht. Wer an den Levadas unterwegs war weiss, dass der kürzeste Weg fast nie auf der Luftlinie verläuft – dieses Tal muss noch umgangen, jener Bach noch überquert werden. Fast alle Wege auf Madeira sind ursprünglich Arbeitswege, sie sind der kürzeste Weg von A nach B – wenn man von Schnellstraßen absieht. Die vorgegebenen Pfade sind meist seit Jahrhunderten der richtige Weg. Ein Trampelpfad im Farn ist dies nicht.

Ehrliche Einschätzung

Wer mit vierzig Jahren regelmäßig jeden Sonntag sechs Stunden zu Fuss unterwegs war, ist zwanzig weitgehend sitzend verbrachte Jahre später kein geübter Wanderer mehr. Das sich selbst einzugestehen, tut weh – schützt aber vor Notfallsituationen.

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