Espirito Santo

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Der Heilige Geist poltert rum

17. Mai 2019

Besuch und Kollekte

eins - An den Sonntagen vor Pfingsten geistern bunte Stoßtrupps umher. In roten Westen mit weißem Kreuz ziehen sie von Haus zu Haus, spielen Gitarre und singen schallend fromme Lieder, trinken und lachen mit den Bewohnern. Hübsche kleine Mädchen begleiten die Gruppe. Sie tragen voller Stolz ihre ganz besondere Tracht, die Lederstiefelchen und die kunstvolle Frisur, und sind sich ihrer wichtigen Rolle bewusst. Zu guter Letzt wird jeweils die Kollekte in ein wertvolles, reich geschmücktes Gefäß eingesammelt.

Das ist auf den ersten Blick schwer zu verstehen. Der Heilige Geist steht doch für Erleuchtung und Beseelung. Und nun hält er des Sonntags dazu her, den schnöden Mammon einzutreiben. Wenn man sich auf die Konnotationen des Heiligen Geistes fokussiert, wird es simpel. Der Heilige Geist, so heißt es, kommt am Pfingstfest über die Gläubigen. In der Gemeinschaft der Beseelten entsteht die Kirche. Und die braucht, von ihrer Geburtsstunde an, Geld – und zwar geschichtlich fortschreitend immer mehr. 

Der fromme Besuch sorgt in allen Häusern für große Aufregung. Schon zu Ostern weiss man, wann es an die Türen in welchen Straßen und Vierteln klopfen wird. "Heute kommt der Heilige Geist", heisst es dann. Für die Hausfrauen ein Riesenstreß. Denn bei solch hohem Besuch muss die Wohnung blank gewienert, der Garten picobello sein, und aufgetischt wird natürlich auch, Gebäck und Süßigkeiten, aber auch herzhaftes typisch madeirensisches Essen. Da ist die "Dona da Casa" froh, wenn sie sich am Abend zurücklegen kann: für dieses Jahr sind sie weg! So mancher aus den Gruppen der Einsammelnden und auch so mancher, der zu Hause die Reste vertilgt und die Flaschen geleert hat, ist dann nicht mehr ganz nüchtern. Möglicherweise auch eine Bewußtseinserweiterung...

Das Brimborium der illustren Heilig-Geist-Entsandten auf Madeira zielt in zwei Richtungen. Mit ihren Trachten und religiösen Schlagern, in Geselligkeit und Brauchtum und mit reichlich Weihwasser bringen sie den Heiligen Geist in die Häuser und Wohnungen der gemeindlichen Nachbarschaft. Anders herum sammeln sie in ihren vorpfingstlichen Einsätzen Spenden für die Unterstützung der gemeindlichen Aktivitäten. Die portugiesische katholische Kirche – das Monopol des Glaubens- bezieht ihr Haushaltsvolumen nicht aus Steuergeldern. Der Staat mischt auf andere Weise mit. Obwohl die portugiesische Verfassung eine Trennung von Staat und Kirche festschreibt, erhält jeder katholische Pfarrer monatlich fünfhundert Euro Salär aus der Staatskasse. Andere Konfessionen – zum Beispiel protestantische Glaubensvereinigungen – werden als Kirche nicht anerkannt. So werden Zahlungen von staatlicher Seite an „ungläubige“ Pfarrer oder gar Pfarrerinnen unterbunden. Die fünfhundert Euro Salär reichen auch im preisgünstigen Portugal nicht zum Überleben. Zusätzliche Verdienste resultieren aus allen Amtshandlungen, die bezahlt werden müssen: Taufe, Hochzeit, Beerdigung, Messe nach sieben Tagen und nach einem Jahr.  Einige Pfarrer und ihre Gemeinden haben zudem einen Nebenerwerb: in Prazeres hat die Gemeinde einen Zoo und handelt mit Ziegen, Hühnern, Schafen und anderem Getier. Der Pfarrer in Canhas hält Schweine und betreibt Landwirtschaft. Wenn geschlachtet wird, lädt er die Alten der Gemeinde zum Essen ein.

Nicht nur der Pfarrer, auch die Gemeinde benötigt Gelder. Und genau dazu sind vor dem Geburtstag der Kirche am Pfingstfest die illustren Gruppen unterwegs. Sie stellen untereinander einen Wettbewerb an, welche Gruppe das meiste Geld eingesammelt hat. Der gute Gesang und die Trinkfestigkeit sind gute Voraussetzungen. Kommunikative Fähigkeiten, ein schönes Gespräch, das anfängt mit „Wisst ihr noch damals....?“ oder „Was machen denn die Kinder in....“, das sind weitere Pluspunkte, die das Portemonnaie der Besuchten öffnen. Gelacht muss werden, der fromme Besuch muss eine Freude sein.

Wie die Kollekte später im einzelnen ausgegeben wird, darüber gibt es einen nicht öffentlichen gemeindlichen Haushaltsplan. Eine Anekdote aus dem madeirensischen Volk geht so: Befragt, was aus dem Geld wird, das bei den Kollekten hereingekommen ist, antwortete der Pfarrer: „Ich setze mich damit in der Kirche unter das Kreuz, an dem Jesus hängt. Dann werfe ich das Geld hoch. Was Jesus benötigt, das wird er festhalten. Was wieder runter fällt, das läßt er mir.“

Fotos: Francisco Gaspar

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