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Kleine Wasserfälle im Unterholz
An der Rosmarin-Levada, Foto Christa Sewera
An der Rosmarin-Levada, Foto Christa Sewera
An der Rosmarin-Levada, Foto Christa Sewera
Teich oberhalb von Rabaçal, Foto Christa Sewera
Teich oberhalb von Rabaçal, Foto Christa Sewera

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Aufatmen in Rabaçal?

20. April 2019

Wie sich die Regionalregierung auf die immer weiter wachsenden Besucherzahlen einstellt

sts- Wenn die Lorbeerbäume lesen könnten, wäre kürzlich ein Raunen durch den Wald gerauscht, beim Erscheinen der Pressemeldungen zu diesem Thema. Dieses große Aufatmen des Waldes wird nun vermutlich im Sommer 2020 zu hören sein. Dann sollen die Pläne der Regionalregierung für Rabaçal umgesetzt worden sein. Für die jährlich 200tausend Besucherinnen und Besucher des Welt-Natur-Erbes der UNESCO wird schlichtweg mehr Platz vorhanden sein.

Dann gibt es hoffentlich niemanden mehr, der vor lauter Gedrängel Pflanzen und Steine unbeabsichtigt aus dem Hang herausbricht und so die Erosion begünstigt. Dafür Sitzgelegenheiten, an denen diejenigen, die eigentlich „nur mal gucken wollen“, ausruhen und schauen können. Man muss nicht unbedingt zehn Kilometer wandern, um den richtigen Eindruck vom Lorbeerwald zu bekommen!

Dann gibt es hoffentlich auch niemanden mehr, der sich „in die Büsche schlagen muss“ um dort, wie es unter madeirensischen Wanderern heisst, den Wald mit Papiertüchlein zu „dekorieren“. Dann sollen nämlich bessere und wohl auch mehr Toiletten für die Besucher zur Verfügung stehen. Niedrigere Ammoniak-Konzentrationen – gut für den Wegrand.

Schon vor einigen Monaten wurde erfolgreich der Betrieb einer kleinen Bar im Forsthaus von Rabaçal aufgenommen. Waren die Touristen früher dankbar, dass wenigstens der Brunnen hinter dem Haus die Wasserflasche füllte, gibt es jetzt einen Tasse guten madeirensischen Kaffees zum Butterbrot oder zum Stück Kuchen.

Die Investition der Regionalregierung sieht den Bau von 39 „neuen“ Wanderkilometern vor. Dabei geht es darum, alte, bereits vorhandene, aber verfallene Wege wieder herzurichten. Zerbrochene Steinstufen, hölzernen Bohlen, morsche Brücken sollen instand gesetzt werden, erläuterte Umweltdezernentin Susana Prada. Bei der sehr schmalen Engstelle auf der Levada der 25 Quellen - zwischen Treppe und der Levada-Biegung mit Abstieg zur Levada da Rocha Vermelha – gibtl es bereits seit Januar diesen Jahres Entlastung geben durch eine Art „Umgehungs-Wanderweg im Einbahnstraßensystem“. Jeder der sich dort schon einmal an anderen Wanderern vorbeischieben musste, wird diesen Plan begrüßen.

Skeptiker warnen hingegen, dass mehr Wege immer „noch mehr“ interessierte Touristen bedeuten. „Durch diese Investition könnte der Druck auf die Natur noch erhöht werden,“ befürchtete Madeira-Fan Thomas aus Süddeutschland.

„Die Wanderwege in Rabaçal sind sehr beliebt bei den Touristen,“ berichtet Wanderführerin Caterina. „Schliesslich sind sie in jedem Wanderführer verzeichnet. Viele Wanderer vergessen dabei, dass es sich hier ursprünglich um Arbeitswege handelt. Die Levadawege dienten den Levada-Arbeitern zur Reparatur und Säuberung der Wasserkanäle. Niemals hätte einer von diesen kräftigen, schwindelfreien, trittsicheren Männern sich vorstellen können welche Mengen von Touristen aus Europa und der ganzen Welt hier einmal herumlaufen werden. Es geht steil, zum Teil sehr steil abwärts jenseits der Levadawege, und oft genug stolpert man mit den Füßen über dicke Wurzeln, weil man mit den Augen darauf achtet, welchem Ast man gerade ausweichen muss.“

Auch der sparsame Beschreibungstext der Wanderung auf der Seite des Tourismus-Amtes macht auf Gefahren aufmerksam, wenn vielleicht auch nicht ganz ernst gemeint. Hier heisst es über den Quelltopf der 25 Quellen:

Einer Legende nach soll wer in diesem See taucht nie mehr an die Oberfläche kommen. Genau das ist einem Engländer passiert, der den Aberglauben brechen wollte und nie mehr gefunden wurde.“

In dem eiskalten Wasser zu baden ist selbst im Sommer kein Vergnügen....

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