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Modellbild - Die Redaktion betont, dass von den Aida-Schiffen im Bericht keine Rede war.

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Kreuzfahrten sind hip – auch für Drogenkuriere

14. April 2019

Madeira ist zum zentralen Umschlagplatz geworden

eins - In den vergangenen fünf Jahren hat die Kriminalpolizei auf vier Kreuzfahrtschiffen im Hafen von Funchal 27 Personen mit insgesamt 231 Kilogramm Kokain im Reisegepäck festgenommen. Die sichergestellte Ware hätte auf dem europäischen Markt 18 Millionen Euro eingebracht.

Am 24. März 2019 schlug die Kripo wieder einmal zu. Um sieben Uhr morgens legte die MSC Opera im Hafen von Funchal an. Der Kreuzer kam von den karibischen Antillen und hatte eine einwöchige Reise hinter sich. An Bord befanden sich zwei Passagiere, die internationalen Behörden verdächtig geworden waren. Nicht selten nehmen diese Behörden während der Fahrt auf dem Meer dezent Kontakt zur Schiffsbesatzung auf, um Verdachtsmomente zu erhärten. Beim Landgang der Passagiere standen Inspektoren der Kriminalpolizei mit Ferngläsern bereit, die Verdächtigen zu identifizieren. Ohne großen Umstand geschah der Zugriff auf die beiden Passagiere und das Gepäck. Dabei wurden zwanzig Kilogramm Kokain beschlagnahmt.

Die Kreuzfahrtschiffe, die international operierende Dealerbanden zum Drogentransport aussuchen, kommen aus der Karibik. Meist endet der Transport zur See in Madeira. Von hier aus geht es mit dem Flugzeug in europäische Hauptstädte weiter. 

Ein besonderer Fang ist der Polizei von Madeira wegen rauer See versagt geblieben. Das war im Dezember 2018, als hohe Wellen der Marco Polo die Einfahrt in den Hafen von Funchal verwehrten. Die Kripo war auf das Eintreffen von Sue und Roger C. vorbereitet und stand am Kai, um die 70jährige und ihren 72jährigen Ehemann in Gewahrsam zu nehmen. Die Marco Polo dampfte aber nach Lissabon weiter, wo Sue und Roger der dortigen Kriminalpolizei in die Arme liefen. Die beiden Senioren hatten auf den Bahamas das Kreuzfahrtschiff bestiegen und beim ersten Landgang auf der Insel Santo Luzia preisgünstig Reisekoffer erstanden. Gegenüber Mitreisenden liessen Sue und Roger ihre Schnäppchenjäger-Passion heraushängen. Sie gaben an, vier Reisekoffer zum Sensationspreis von 160 Pfund Sterling gekauft zu haben, die bei Harrod's in London glatt 1500 Pfund kosten würden. Was Sue und Roger verschwiegen, war, dass ihre vier Schnäppchen-Koffer mit falschen Böden versehen und darunter mit „Schnee“ vollgestopft waren. Als die beiden Senioren im Hafen von Lissabon hochgenommen wurden, hatten sie gerade neun Kilo Kokain im Werte von mehr als zwei Millionen Euro an Land gebracht. Sue erlitt bei ihrer Festnahme einen Schwächeanfall und wurde mit Blaulicht ins Krankenhaus neben dem Frauengefängnis von Tires verfrachtet. 

Sues und Rogers mißlungener Koffertrick ist eine kuriose Geschichte am Rande des knallharten Drogengeschäfts. Das für die Verfolgung des illegalen Handels zuständige portugiesische Amt erklärt, dass man anhand der Untersuchung von Abwässern erkennen kann, dass der Konsum von Kokain europaweit anzieht. So berichtet die madeirensische Tageszeitung Diario de Notícias.

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