Union Jack

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To The Country And The King

26. März 2019

Wie Madeira einmal britisch war

eins - Napoleon wollte Europa erobern und hätte es fast geschafft. Portugal stand auf seiner Liste, weil der Südweststreifen Europas bei der Kontinentalsperre nicht mitmachen wollte. Napoleon hatte einen Handelsboykott Englands verfügt, und Portugal lieferte dem zum Trotz weiter. Zweimal besetzten britische Truppen zu Beginn des 19. Jahrhunderts Madeira. Zum Schutz vor Napoleon, wie es hieß. Beim zweiten Mal hißten sie sogar den Union Jack über der Hauptstadt Funchal. Madeira war britisches Territorium geworden.

Die erste Okkupation geschah im Jahre 1801. Großbritannien verschaffte sich mit ihr die Kontrolle über Schiffsbewegungen im Spannungsfeld von Atlantik und Mittelmeer. Außerdem war Madeira eine bedeutsame Anlaufstelle, um Kriegs- und Handelsschiffe mit Kanonen und Proviant zu versorgen. Die Besetzung der Insel verlief ohne Gegenwehr und Zerstörungen. Damals schon existierte eine wohlhabende Gemeinde von britischen Geschäftsleuten, die die Landung der britischen Truppen erleichtert aufnahm. Zweitausend Mann hatte die Krone geschickt. Sie übernahmen die militärische Führung, während die politischen Geschäfte und die Verwaltung der Insel ungehindert fortlief. Ein halbes Jahr danach, im Januar 1802, verließen die Okkupanten Madeira, weil Napoleon Osteuropa ins Visier genommen hatte.

Einigen großen Geistern Europas gefielen Napoleons Feldzüge. Goethe und Hegel, später auch Marx und Engels begrüßten die französische Besetzung der europäischen Feudalländereien als Modernisierungsschub für das Denken und die historisch fällige Neuordnung der Politik. Die mehrheitlich restaurativ gesonnenen Portugiesen fürchteten hingegen Napoleons Vorwärtsgang. Der Feldherr galt ihnen als später Vollstrecker der französischen Revolution, in deren Auswirkung Monarchie, Adel und die Katholische Kirchen schmerzlich geblutet hatten. Als im November 1807 Napoleons Truppen erneut auf Portugal zurollten, übermannte den portugiesischen König der Guillotine-Komplex. In einer Verzweiflungstat verfrachtete er sich und seinen gesamten Hofstaat auf Schiffe und segelte fluchtartig nach Brasilien ins Exil. Der königliche Palast in Lissabon stand leer, und Napoleon wäre liebend gern dort eingezogen. Doch auch da tauchten die Engländer auf und spielten dem Franzosen einen Streich. Am Heiligen Abend des selben Jahres gingen in Funchal dreitausend britische Soldaten an Land. Wieder verlief die Invasion einvernehmlich. Doch diesmal übernahmen die Briten die Insel ganz. General Beresford bündelte die militärische und politische Gewalt in seinen Händen, Die portugiesische Flagge wurde eingeholt und an ihrer Statt der Union Jack gehißt. Diejenigen Soldaten der portugiesischen Krone, die zu den Briten überliefen, mußten King George III die Treue geloben. Madeira war britisch geworden.

Auf dem europäischen Kontinent warfen sich zur selben Zeit britische Truppen dem französischen Heer entgegen. Zweimal besiegte Wellington Napoleon. Einmal im Nordwesten der iberischen Halbinsel, das zweite Mal und zwar nachhaltig bei Toulouse. Mitte 1808 war die napoleonische Gefahr vorerst gebannt. Zum Frühjahr 1808 hatte die britische Besatzung bereits die politische Macht in Madeira an die Portugiesen zurück gegeben. Die militärische Gewalt blieb aber bis 1814 in britischer Hand. Aus dem brasilianischen Exil schickte der portugiesische König den Soldaten, die auf den englischen König ihren Treueeid abgelegt hatten, eine Absolution. Er selbst traute sich lange nicht zurück.

Während der gesamten Kriegszeit unterstütze England Madeiras Wirtschaft – sicher auch zu eigenem Nutzen. Napoleon hatte Europa militärisch und politisch neu geordnet. Was regionalen Wirtschafts- und Handelsplätzen vorübergehend Einbußen brachte. Madeira profitierte von der Stabilität seiner geoökonomischer Position außerhalb der Kriegsschauplätze und genoß Dank seiner britischen Protektion und sogar Annexion die wirtschaftlich erfolgreichste Zeit im ganzen 19. Jahrhundert.

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