atum voador

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Thunfischzeit zu Ende?

18. Juli 2018

Fischhändler ändert sein Sortiment

sts - "Tja, das ist dann wohl der letzte". Fischhändler Claudio schiebt seine Mütze ins Genick. Er spricht vom Thunfisch, mit dem er in den letzten Wochen zuverlässig seine Abnehmer versorgt hat.Claudio hat einen kleinen Kühlwagen und fährt damit durch die vielen kleinen Straßen auf dem Land. Zwar preist er seine Waren lauthals über den Lautsprecher an, aber das ist eher Markenzeichen der ambulanten Fischhändler als Werbung - zu verschwommen wird die Sprache über das Megaphon. Wo er halten muss, das weiss Claudio seit Jahren. Und ohnehin wird er an den Halteplätzen schon erwartet, von den Käuferinnen, die die Gelegenheit zu einem Schwätzchen nutzen, und von den Katzen aus der Gegend, die hoffen, dass der Fischhändler ihnen wie immer ein Stückchen rohen Fisch zuwirft. "Den Thun fangen sie jetzt nicht mehr. Die Zeit ist um - erst nächstes Jahr wieder."

Die alte Dona Teresa erklärt ihren ausländischen Nachbarn: "Demnächst gibt es dann nur noch den Voador." Großes Erstaunen. Voador heisst, übersetzt ins Deutsche, "Flieger". Aber es sind doch nicht etwa fliegende Fische, die der Fischhändler vorbeibringen will? Fliegende Fische kann man vor Madeiras Küsten beobachten. Doch dieser Voador ist eine Thunfischart. Sie ist kleiner und das Fleisch ist weniger intensiv im Geschmack, trockener und fettärmer. Der "richtige" Thunfisch, der im Mai und Juni gefangen wurde, hat ein hellrotes bis dunkelrotes Fleisch und eignet sich wegen des Fettgehalts auch gut für den Grill. Da kann der Voador nicht mithalten. Mit um die 60 cm Länge ist er auch deutlich kleiner - hinten in Claudios Lieferwagen sieht er immer noch beeindruckend groß aus. Teresa freut sich auf den Fisch, der da bald in ihren Kochtopf fliegen soll. Sie mag ohnehin am liebsten den Fischeintopf - Caldeirada de Atum. Am besten zweimal in der Woche. 

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