Sandschiff

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Taucher kämpfen um ein Wrack

30. Januar 2018

Das Ausschürfen des Meeresgrundes verschärft die Schräglage des Wracks

eins - Im Jahr 1996 zerbarst vor der Küste Madeiras ein 90 Meter langes Schiff und sank. Die „Bom Rei“ baggerte – ursprünglich unter anderem Namen – die Themse aus, wobei sie 1989 mit einem anderen Schiff zusammenstieß. Bei der Havarie verloren 51 Menschen ihr Leben. Ein Jahr später schürfte die „Bom Rei“ auf einmal vor Madeiras Küste Sand vom Meeresboden und hiefte ihn an Deck. Diese Arbeit verrichtet der schwimmende Bagger ein halbes Jahrzehnt lang, bis er eines Tages – vollbeladen mit der schweren nassen Last – einen gewaltigen Knack in seinem eisernen Leib verspürte und unterging. Das Wrack wurde im Laufe der Zeit zum Treffpunkt von neugierigen Tauchern und lichtscheuen Meeresbewohnern.

800 Meter vor der Südwestküste zwischen Calheta und Madalena do Mar liegt das Wrack auf 32 Metern Tiefe. Nun droht es umzustürzen, weil in einer Entfernung von nur 50 Metern ein Baggerschiff Sand vom Meeresboden aufnimmt. Das führt dazu, dass das Wrack inzwischen auf einem Sockel thront,während drumherum weiter gegraben wird, und zwar schon 20 Meter tiefer.
Der Sand, der vorher die Schiffsschraube festhielt, ist weggeschwemmt und der Schiffsrumpf hat sich scharf nach links geneigt. Er droht den künstlich gegrabenen Unterwasserabgrund hinunter zu stürzen.
Dieses bedrohliche Szenario fürchtet das Tauchzentrum Calheta, das einen Stopp des Sandbaggerns verlangt. Einer der Aktiven, Carlos Relvas, klagt in der Tageszeitung Diário de Notícias: „Der Schiffsleib, wo so viel Meeresleben sich erhalten konnte, wie auch die Kabinen im Bug, sind nicht mehr zu betauchen. Damit mussten wir ein Drittel des Schiffs aufgeben. Gerade das Drittel, in dem sich das meiste Meeresleben abspielt.“ Die Regierungsdezernentin für Umwelt und Natur reagierte prompt. Sie weitete die Distanz, die das Baggerschiff zum Wrack hin einhalten muss, auf 100 Meter aus. Das reicht den Tauchern jedoch nicht, um das Wrack zu „retten“. Die Dezernentin antwortete daraufhin, daß ein Wrack, das mehr als zwanzig Jahre auf dem Meeresgrund liegt, erfahrungsgemäß nicht mehr zu retten sei. Susana Prada verwies in dem Zusammenhang auf nationale Pläne, das Ausbaggern des Meeresgrundes vor Küstengebieten ganz zu unterbinden. Der Sand, den das Baggerschiff an Bord hieft, wird über eine Pipeline an Land geleitet. Der Port ist in Madalena do Mar, unterhalb der Siedlung Anjos, von wo Lastwagen den getrockneten Sand zum Großhandel der Bauindustrie abtransportieren.
Die „Bom Rei“ war selbst in diesem Geschäft tätig, und scheint nun in ihrem „Leben nach dem Tod“ Opfer ihres eigenen Metiers zu werden.
Insgesamt hat das Schicksal des Schiffs, das auf deutsch „Guter König“ heißt, eine tragische Tendenz. Ein Dokumentarfilm hat dies aufgegriffen. Er wurde mit dem Titel „Trauriger König“ im Jahr 2010 der Öffentlichkeit vorgestellt. Auf einer Seite des Internet-Auftritts der Wochenzeitung „Tribuna da Madeira“ kann man einen Tauchausflug in die faszinierende Unterwasserwelt verfolgen.

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