Petits Fours
Petits Fours
Tee-Tisch
Tee-Tisch
Tee-Terrasse
Tee-Terrasse
Aussicht aufs Meer
Aussicht aufs Meer

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Zum Tee ins Reid's

12. November 2017

Wie kriegen die bloß die Tischdecken sauber?

sts - Gerüchte und Geschichtchen umranken den Fünf-Uhr-Tee im berühmten Reid‘s Hotel. Malerisch auf den Klippen direkt oberhalb der Bucht von Funchal liegt der Ort des Geschehens. Die Preise seien ins Unermessliche gestiegen, ohne Reservierung geht gar nichts, Eintritt nur in passender Kleidung – und das alles für eine Tasse Tee? So britisch mag man sich dann doch nicht fühlen, schon gar nicht in Zeiten des Brexit…Die Herausgeberin der Madeira-Zeitung macht den Test und meldet sich zum Tee an. Der freundliche Herr am Telefon bittet um formelle Kleidung: „No shorts“. Immerhin, kein Krawattenzwang mehr.

Wohin mit dem Auto? Weit und breit sind keine Parkplätze zu sehen. Der Portier übernimmt selbstverständlich den Schlüssel und parkt den Mietwagen. Beim Eintritt umfängt einen der Charme eines uralten Hotels, Holzböden, Stuckdecken, weiche Sofas und dicke Vorhänge, rote Teppiche, etwas abgeschabt. Man würde sich nicht wundern, wenn Miss Marple um die Ecke käme. Vom Empfang aus wird man zum Tee geleitet. Viel mehr als zehn Tische sind es auf der eleganten Terrasse nicht. Alles ist weiß eingedeckt, mit teurem englischen Porzellan und gestärkten Leinenservietten. Hier bewegt uns erstmals die Frage: Wie entfernt man im Reid‘s eigentlich all die Teeflecken, die beim täglichen Five-o-clock zu erwarten sind?

Viel Personal, höflich und verbindlich, bringen Teekannen, tragen heißes Wasser und Milch heran, Teller mit kleinen Sandwiches, appetitlich belegt mit Gurkenscheiben oder Lachs, Krabben und Käse. Auf anderen Tellern locken Petits Fours und Macarons in knallbunten Farben, jedes einzelne kleine Gebäckstückchen dekoriert wie eine komplette Torte. Die Portionen: großzügig, aber nicht zu üppig. Der Geschmack: einfach köstlich.

Die fünf jungen Engländerinnen am Tisch gegenüber, in langen, bonbonfarbenen Kleidern, in die sie als Teenager besser gepasst haben, zeigen sich vom Champagner (kostet extra!) leicht beschwingt. Sie hätten wohl gern etwas mehr Speisen auf dem Tisch vorgefunden. Der Kellner sieht die Enttäuschung und bringt sogleich das Gewünschte. Auch Tee wird frisch aufgebrüht und nachgereicht.
Die Aussicht auf die Gärten und alten Bäume vor dem Hotel, das tiefblaue Meer unter strahlend blauem Himmel, weiße Kreuzfahrtschiffe im Hafen, kleine Segelboote weiter draußen, entspricht allen Klischees, die man mitgebracht hat. Die Zeit vergeht wie im Flug, es wird parliert und gelacht, der Service ist aufmerksam, aber nicht lauernd. Wir fragen eine Kellnerin nach den weißen Tischdecken. Wie viele Teeflecken an so einem Tisch in einer Stunde entstehen, haben wir unfreiwillig aber unübersehbar selbst bewiesen. „Das erledigt die Hotel-Wäscherei“, hören wir in gepflegtem Englisch. „Wie sie es genau machen, weiß ich leider nicht, das ist ein Geheimnis des Hauses.“ Zu Schade. Wie gern hätte die deutsche Hausfrau noch einen praktischen Tipp mitgenommen aus den heiligen Hallen des Fünf-Uhr-Tees.

Mein Urteil: Wer gern einen sehr guten Tee trinkt und auch im Urlaub das Cocktailkleid, womöglich mit passendem Hut, ausführen mag, für den oder die sind fünfundreißig Euro pro Person sicher nicht zu teuer. Satt wird ein jeder und: so makellose weiße Tischdecken findet man nicht überall.

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