Bildschirmansicht

Opuntia

Druckansicht

„Deine roten Lippen….“

1. November 2017

Der stachlige Kuss des Vamp

eins - Das Karminrot war als Farbton äußerst begehrt. Lippen machte es verführerisch, ließ sie gar verschlingend wirken. Gewonnen wurde die Farbsubstanz im 19. Jahrhundert von einer Laus-Art, die massenhaft den Feigenkaktus bevölkert. Heute wird Karminrot synthetisch hergestellt. Die Kakteen, die zwei Jahrhunderte zuvor in Madeira angesiedelt wurden, sind geblieben.

Man findet die „Opuntia ficus“ - wie der madeirensische Feigenkaktus botanisch heißt – in verwaisten Gebieten, an den Rändern vernachlässigter Felder oder im Geröll unterhalb von Felswänden.
Der Kaktus ist genügsam, braucht kaum Wasser, keine Pflege, um zu überleben und sich zu vermehren. Er bringt im Spätsommer eine orangefarbene oder gelbe Frucht hervor, die als Tabaibo auf Märkten angeboten wird und Einheimischen schmeckt. Bei der Ernte muss man sehr behutsam vorgehen, denn die dicken Blätter der Opuntie sind nicht nur mit großen Stacheln, sondern überdies mit nahezu unsichtbaren haarfeinen Stacheln besetzt. Wer sich hier zu schaffen macht, hat anschließend Mühe, diese feinen Stacheln aus der Haut zu bekommen. Die Einheimischen wischen die stachelbesetzten Hände an den eigenen Haaren ab – das ist nicht gefährlich, dabei fallen die Stacheln ab – oder benutzen zur Ernte Handschuhe.
Die Frucht ist nicht nur äußerst schmackhaft, sondern auch reich an Vitamin C, mineralischen Salzen, Ballaststoffen und Antioxidantien. Auch die Kladoden der Opuntie – das sind die nachwachsenden, jungen ovalen Blätter – sind voll gesunder Inhaltsstoffe. Kristallisiert dienen sie zur unterstützenden Behandlung erhöhter Blutfettspiegel oder bei der Zuckerkrankheit. In Frankreich werden damit bereits gute Geschäfte gemacht. Darüber hinaus kann man aus der Pflanze eine wertvolle Seife herstellen.
Nun beabsichtigt auch die Regierung Madeiras, den Kaktus kommerziell zu kultivieren. Auf einem Versuchsgelände der Nachbarinsel Porto Santo soll die genügsame Tabaibeira systematisch gezüchtet und gekreuzt werden. Die besten Variationen der Feigenkaktus-Züchtung will man sodann madeirensischen Landwirten zum Anbau geben. Die Kaktus-Produkte sollen schließlich Touristen als madeirensische Besonderheit zum Mitnehmen nach Hause angeboten werden.
Eine große Aufgabe bei der Züchtung wird sein, die Madeira-Opuntia von der Cochenille-Schildlaus freizuhalten. Die Laus liebt den Feigenkaktus über alles und hat als Karminrotspenderin die stachelige Pflanze einst groß gemacht.

Leserbriefe

Keine Leserbriefe vorhanden

Leserbrief schreiben

Mit Sternchen (*) gekennzeichnete Formularfelder müssen ausgefüllt werden.

Adresse dieser Seite:
http://www.madeira-zeitung.de/?id=5969