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Strand Venezuela
foto: isla-margarita-ferienhaus.com

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Venezuela ist nicht mehr sicher

13. Mai 2017

Madeira fürchtet die Rückkehrer-Welle

sts - 30 Jahre oder mehr ist es her, dass Madeirenser scharenweise nach Venezuela auswanderten. Ganze Familien gingen mit Sack und Pack den weiten Weg nach Mittelamerika, um dort Geld zu verdienen. Der Öl-Boom zu Beginn der 70er machte Venezuela reich und attraktiv für Madeirenser, denen damals ein karges Einkomen auf dem heimischen Acker zu wenig war. In Venezuela spricht man Spanisch. Kein Hindernis, denn Portugiesisch und Spanisch sind verwandt miteinander. Die Reise jedoch war damals wie heute langwierig und teuer. Die Madeirenser arbeiteten hart in der Landwirtschaft oder eröffneten kleine Geschäfte. In diesen Zeiten konnte man in Venezuela gut verdienen. Wer zu Geld gekommen war, besuchte im Sommer die Verwandten in Madeira. Viele Madeira-Touristen hörten in den Sommermonaten spanische Sätze in den Bars und sahen Männer mit großen schwarzen Hüten am Strand flanieren.

Mit den fallenden Ölpreisen wurde die Versorgungssituation in Venezuela schwierig, auch für die eingewanderten Portugiesen. Beunruhigende Nachrichten erreichten die Verwandten in der Heimat. „Wir bekommen keine Medikamente hier, könnt Ihr uns etwas schicken?“ hiess es am Telefon. Lebensmittel wurden rationiert und die Schlangen vor den Läden immer länger. Geld zu haben garantierte keinen Wohlstand – es gab einfach nichts mehr zu kaufen oder die galoppierende Inflation fraß die Ersparnisse auf. Das alltägliche Leben wurde so unsicher, dass auch Mitarbeiter von eher mittelständischen Unternehmen ihre Fahrzeuge kugelsicher umrüsten mussten, wie der Vorsitzende der Deutschen Evangelischen Kirche in Caracas der Madeira-Zeitung berichtete. Entführungen standen auf der Tagesordnung, Familienmitglieder wurden geschult, wie man sich in solcher Situation zu verhalten habe.

Kein Wunder, dass viele der ehemaligen Madeirenser beschlossen und weiterhin beschliessen, in ihre Heimat zurückzukehren. Leicht fällt diese Entscheidung nicht, denn all der erworbene Besitz verbleibt in Venezuela. Geld ins Ausland zu schaffen ist äußerst schwierig oder unmöglich. Einen Flug muss man langfristig anmelden und erfährt dennoch erst kurz vor der Abreise, ob es denn klappt oder nicht. Linienflüge mit großen europäischen Fluggesellschaften wurden zeitweise ausgesetzt.

Wieder auf der grünen kleinen Insel im Atlantik geht es den Rückwandern nicht eben gut. Spanisch hört man hier nicht allzu gern. Wer Arbeit sucht, muss erst einmal Portugiesisch lernen. Qualifizierte und gut bezahlte Arbeitsplätze sind den Rückwanderern zunächst verschlossen. „Und es ist so kalt hier,“ klagt Margarita, 19 Jahre. Sie hat Madeira vor der Rückwanderung der Familie noch nie gesehen. „In Venezuela haben wir manchmal Urlaub am Meer gemacht. Das war auch am Atlantik, aber so viel wärmer als hier! Hier muss ich im Mai Pullover oder Jacke anziehen und friere trotzdem.“ Margarita ist unter den Rückwanderern privilegiert: ihre Eltern können den teuren privaten Sprachkurs in Funchal finanzieren, damit die Tochter eine Ausbildung bei einer Bank machen kann, wie sie es sich wünscht.

„Was passiert, wenn die alle wieder zurückkommen?“ fragt Maria besorgt. Die Mitarbeiterin des madeirensischen Stromversorgers kennt zig Leute, die alle nach Venzuela gegangen sind. Wenn sie abends im Fernsehen die beunruhigenden Nachrichten sieht, wird sie ganz nervös. „Auf Madeira ist kein Platz für viele Rückkehrer. Wovon sollen die leben, werden sie unseren Kindern die Arbeit wegnehmen?“

Doch längst nicht alle Portugiesen in Venzuela planen die Rückkehr. Proteste können die Situation beeinflussen, meint Helena, 64. „Wir sind alle sehr besorgt über das, was hier passiert. Aber der Kampf für Veränderungen ist getragen von der Hoffnung, dass wir wieder in einem demokratischen und freien Venezuela leben können - wie früher,“ schreibt die Frau, die vor Jahrzehnten gemeinsam mit ihrem Mann ausgewandert ist. Dass dieser Kampf Erfolg habe, wünschen alle Madeirenser – nicht nur aus Gründen der Nächstenliebe.

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