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Bauzaun mit Yachthafen
Der Bauzaun verhindert den Blick auf das zerstörte Parkhaus

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Lugar de Baixo: Yachthafen vor dem Aus

13. August 2008

Inselregierung verkauft Fehlplanung als Erfolg

Schon vor dem ersten Spatenstich begann das Malheur. Das Laborschiff, das Bodenproben nahm, lief auf Grund. Die unberechenbaren Strömungen in der Bucht von Lugar de Baixo verhinderten die Rettung des Schiffs. Später, als der Yachthafen fertig gestellt und seiner Bestimmung übergeben war, brachen hohe Wellen die Schutzmauer des Hafenbeckens. Nach der Ausbesserung und Verstärkung der Mauer riss eine weitere Breitseite sie wieder ein. Dann bombardierten herabstürzende Felsbrocken das Parkhaus und den Platz davor. Der Yachthafen von Lugar de Baixo ist vier Jahre alt und war ganze fünf Monate in Betrieb. Es scheint, als habe Madeiras Regierung 32 Millionen Euro in den Sand gesetzt. Mit der kürzlich lancierten Ankündigung einer Übernahme des Geländes durch die größte Hotelgruppe Portugals aber stricken die für den Flop Verantwortlichen weiter an einer Erfolgsstory. 

Der erste „Erfolg“ war die Einweihung im Herbst 2004. Da mussten Arbeiter wochenlang bis elf Uhr nachts schuften, damit rechtzeitig zum Wahltermin das Großprojekt vom Stapel lief. Die Wahl wurde in einem Marathon von 30 Einweihungen inselweit gewonnen.

Die Fischer in Lugar de Baixo hatten gewarnt: „Da wo sie die Marina hinsetzen, wird sie mit Sicherheit überflutet.“ Doch die Erfahrung der einfachen Männer galt nichts. O-Ton Regierungschef: „Wir hören nicht auf Ingenieure vierter Klasse“. Der Yachthafen füllt sich mit europäischen Hightech-Segelbooten, die in Lugar de Baixo überwinterten, um Mitte Februar zu einem internationalen Rennen in der Karibik aufzubrechen. Kaum waren die Boote aus dem Becken, ramponierten enorme Wellen den Yachthafen. Ohne groß nachzudenken - O-Ton Regierungschef: „Schuld hat das Meer!“ - restaurierte man das Becken originalgetreu. Nach der zweiten Überflutung wurde die Schutzmauer des Beckens verstärkt. Als dann der Steinhagel über Gehwege und Parkhaus hereinbrach – O-Ton Regierungschef ein Jahr zuvor: „Die Erosion interessiert mich nicht“ - konnte ein weiterer „Erfolg“ gefeiert werden: Wieder war Wahlkampf und es wurden am Metallzaun, der nun das Areal des Yachthafens umgab, computeranimierte Riesenplakate aufgestellt. Das Plakatmotiv: Bötchen in der Marina, weißer Strand, plantschende Kinder, Sonnenbadende, belebte Bars und Restaurants, happy people everywhere. Die virtuelle Perspektive überzeugte die Wähler – die Wahlen wurden knapp gewonnen.

In der banalen Realität steht der Metallzaun immer noch. Doch die Plakate sind vor wenigen Wochen quasi über Nacht verschwunden. Allein die Befestigung des Felsmassives über dem Parkhaus hat sieben Millionen Euro verschlungen. Und es gibt Unken, die warnen, dass wegen der harschen Eingriffe das Felsgestein über der Küstenstraße brüchig geworden sei, sodass man die Arbeiten auf keinen Fall einstellen dürfe. Aber es fehlt an Geld. In der „Erfolgstory“ springt nun der Hotelier Pestana, Sohn eines Freunds des Regierungschefs, ins Rampenlicht. Die Gruppe Pestana, die selbst in Afrika und Südamerika Hotels der gehobenen Klasse aus dem Boden stampft, kündigt die Übernahme des Yachthafengeländes an und verspricht das Wunder von Lugar de Baixo: 400 Betten der Luxusklasse, 200 Arbeitsplätze, Strand, Plantschbecken, Bars und Restaurants mit freiem Zugang für jedermann. 450 Millionen Euro will Pestana sich die Investitionen im Yachthafen kosten lassen. Nur den Ponton, der nach Ermessen einer holländischen Spezialfirma als Wellenbrecher ins Meer gesetzt werden müsste, mag Pestana nicht bauen. Stattdessen will die Hotelgruppe parallel zur bestehenden Schutzmauer eine zweite Mauer ziehen, sodass eine Art Bootsteich im Hafen entsteht. „Wenn die Außenmauer wirklich verstärkt werden muss, werden wir das nicht finanzieren“, erklärte Hotelier Pestana und leitet damit womöglich einen Rückzieher ein. Denn es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Außenmauer ohne Ponton wieder bricht.

Zehn bis zwölf Jahre soll die Errichtung der neuen Luxuszone dauern – auch das könnte stutzig machen. Normalerweise bedeutet eine Zeitangabe von drei Jahren auf Madeira, in Echtzeit gemessen, das zwei- bis dreifache. Eine Zeitangabe von zehn bis zwölf Jahren wäre dann mit dem Sankt-Nimmerleins-Tag identisch. „Der Pestana hilft dem Regierungschef mit seinem Auftritt doch nur aus der Patsche. Die an der Macht sind, wollen ihre absolute Fehlplanung nicht eingestehen und schicken jetzt einen nach vorn, der so tut, als könnte er zaubern“, lautetet das Urteil von José Manuel Coelho. Er ist Chef der oppositionellen Sozialisten im betreffenden Regierungsbezirk. Die Partei von Coelho hakt jetzt bei dem Poker um den Yachthafen ein. Sie beantragte im Parlament der autonomen Region Madeiras eine Anhörung. Sie wollen erfahren, wie eine private Hotelgruppe den weitaus größten Teil eines Areals erwerben will, dessen Ausbau mit öffentlichen Geldern erfolgte. Sollten die Auskünfte unzureichend ausfallen, wollen die Sozialisten wegen vermeintlicher Zweckentfremdung von Fördermitteln vor Gericht ziehen.

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